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Es scheint wohl eine "Binsenwahrheit" zu sein, dass man dem tatsächlichen Verlauf eines zurückliegenden Ereignisses nur durch Lesen mehrerer Schilderungen nahe kommen kann. Also habe ich hier zwei bereits ca. 120 Jahre alte Beschreibungen der Völkerschlacht bei Leipzig zitiert, die sich dem Leser per Klick eröffnen :
Die Völkerschlacht bei Leipzig
Die Gegend von Leipzig ist wiederholt der Schauplatz großer Schlachten gewesen, was in der Wichtigkeit der an Hilfsquellen für den Krieg so reichen Stadt und in ihrer Lage als Knotenpunkt vieler Hauptstraßen sowohl als in der für den Kampf günstigen Beschaffenheit des Terrains seinen Grund hat. Drei Hauptschlachten sind es besonders, die hier geliefert worden sind, von denen zwei dem Dreißigjährigen Krieg angehören, nämlich die am 17. Sept. 1631 und die am 2. Nov. 1642 (bei Breitenfeld), die letzte aber die sogen. Völkerschlacht vom 16. bis 19. Okt. 1813 gegen Napoleon I. war, welche den Krieg in Deutschland zu gunsten der Verbündeten beendigte.
Die Niederlagen der französischen Truppen im August und September hatten Napoleon veranlaßt, von Dresden zurückzugehen und seine Armee am 14. Okt. um Leipzig zu vereinigen, gegen welches sich nun auch die Heere der Verbündeten konzentrisch in Bewegung setzten.
Am 14. Oktober 1813 leitete das Reitergefecht bei Liebertwolkwitz die großen Kämpfe der nächsten Tage ein, sein glücklicher Ausgang erschien den Alliierten als gute Vorbedeutung. Dennoch war Napoleons Lage durchaus keine verzweifelte; er hatte außer den Garden 8 Korps, 170.000 Mann nebst 14.000 Reitern und 700 Geschützen, zur Verfügung, und wenn auch die Truppen tief erschöpft und teilweise entmutigt waren, so befehligte sie doch ein Napoleon, der nicht bloß durch die Einheit des Oberbefehls, sondern auch durch die Raschheit und Präzision seiner Anordnungen, durch seine moralische Einwirkung der Überlegene war.
Verhängnisvoll wurden aber für ihn die Illusionen, die aus seiner Unterschätzung des Gegners hervorgingen: er glaubte weder an die Anwesenheit der ganzen böhmischen und schlesischen Armee noch an den Entschluß der Verbündeten zu einer großen Entscheidungsschlacht.
Am 15. Oktober 1813 stellte Napoleon sein Heer um Leipzig auf: den größten Teil, 100.000 Mann, auf dem sanft gehobenen Gelände südlich von Leipzig, von Konnewitz und Markkleeberg an der Pleiße über Wachau und Liebertwolkwitz bis nach Holzhausen hin; Bertrand stand bei Lindenau zur Deckung der Straße nach Westen, im Norden von Leipzig Marmont und Ney.
Die Alliierten verfügten zunächst nur über 200.000 Mann, da die Korps von Colloredo und Bennigsen erst im Anmarsch waren und der Kronprinz von Schweden die Nordarmee noch zurückhielt. Die Hauptmasse bildete die böhmische Armee unter Schwarzenberg, den Kaiser Alexander und König Friedrich Wilhelm III. begleiteten, 130.000 Mann, welche von Süden heranrückten. Schwarzenbergs Plan war, während Gyulay mit 20.000 Mann gegen Lindenau und Blücher von Schkeuditz gegen Leipzig aufbrach, mit der Hauptmacht in der sumpfigen Niederung zwischen Elster und Pleiße gegen Konnewitz vorzudringen, den rechten Flügel des Feindes zu umgehen und auf dem kürzesten Weg Leipzig selbst zu gewinnen.
Auf Einspruch Alexanders wegen der Schwierigkeit des Terrains übertrug Schwarzenberg die Ausführung seines Plans nur den 35.000 Österreichern unter Merveldt und Hessen-Homburg; die Korps von Klenau, Wittgenstein und Kleist unter Barclays Oberbefehl sollten den Feind in der Fronte angreifen und ihn gegen Leipzig werfen. Auf diese Weise wurde die böhmische Armee auf drei durch Flüsse und Sümpfe getrennte Schlachtfelder verteilt.
Am 16. Oktober 1813 setzte sich noch vor Tagesanbruch die Armee Barclays in Bewegung und eröffnete gegen 9 Uhr ein furchtbares Geschützfeuer, worauf die Sturmkolonnen gegen die französische Stellung vorgingen - Kleist entriß Poniatowski Markkleeberg; viermal wurde er daraus verdrängt, viermal erstürmte er es wieder und behauptete es mit Mühe.
Auch Wachau, wo Napoleon selbst befehligte, wurde von Preußen und Russen unter dem Prinzen Eugen von Württemberg erobert, mußte jedoch unter den furchtbarsten Verlusten durch die überlegene französische Artillerie wieder verlassen werden.
Ebensowenig gelang es Gortschakow und Klenau, Liebertwolkwitz zu nehmen; ja, sie verloren auch den Kolmberg, und die ganze Linie der Verbündeten war durch die blutigen Kämpfe so geschwächt, daß sie kaum ihre Stellungen behaupten konnte. Auch die Operationen der Österreicher auf Konnewitz hatten gar keinen Erfolg, und die Fruchtlosigkeit aller weitern Kämpfe einsehend, eilte endlich nach 12 Uhr mittags Schwarzenberg mit dem Korps Hessen-Homburg Barclay zu Hilfe.
Napoleon, durch den bisherigen Gang der Schlacht ermutigt, beschloß nun selbst zum Angriff überzugehen. Um 3 Uhr versuchten 8000 französische Reiter, das Zentrum der Verbündeten bei Wachau zu durchbrechen. Sie drangen bis zu dem Hügel vor, auf dem die Monarchen und Schwarzenberg sich befanden; indes die Standhaftigkeit der russischen Infanterie und die Tapferkeit der zur Hilfe herbeieilenden verbündeten Reiterei vereitelten ihr Unternehmen.
Ein zweiter Angriff der französischen Infanterie, des Korps Lauriston, auf Güldengossa mißlang ebenfalls. Auch Napoleon konnte keine frischen Truppen mehr ins Feuer führen, und die Nacht machte dem mörderischen Kampf ein Ende. Der Angriff der Alliierten auf die feindliche Stellung war mißlungen; aber eine völlige Niederlage war durch die todesmutige, wetteifernde Tapferkeit der Verbündeten, Führer wie Soldaten, mit einem Verlust von 20.000 Mann an Toten und Verwundeten abgewendet worden.
Gyulays Angriff auf Lindenau, zögernd unternommen, war inzwischen von Bertrand abgewiesen worden.
Einen entscheidenden Erfolg jedoch hatte das Vorgehen der schlesischen Armee gehabt. Ohne die Nordarmee abzuwarten, war Blücher auf den Befehl, zum gemeinschaftlichen Angriff auf Leipzig mitzuwirken, aufgebrochen und bei Wiederitzsch und Möckern auf ernstern Widerstand gestoßen. Beim erstern Dorf stand Dombrowski mit einer schwachen Division, die jedoch Langeron den ganzen Tag festhielt, bei letzterm Marmont mit 17.000 Mann, der eben den Befehl erhalten, nach Wachau zu Hilfe zu kommen, auf die Annäherung des Feindes aber beschloß, dessen Angriff zu erwarten, und Ney um seine Unterstützung bat.
York richtete den Angriff seines Korps, das etwa 20.000 Mann stark war, gegen das durch seine Lage zu einer natürlichen Festung gemachte Dorf Möckern, das nach mehreren mißlungenen Angriffen mit einem Verlust von 7.000 Mann endlich erstürmt wurde. Marmonts Korps war vernichtet, Ney war auf dem Weg, ihm zu Hilfe zu eilen, wieder umgekehrt, aber auch für Wachau zu spät gekommen.
Der Sieg Yorks bei Möckern hatte nicht bloß die französische Stellung im Norden von Leipzig durchbrochen, sondern Napoleon auch den gehofften Sieg bei Wachau dadurch entrissen, daß er zwei Korps hinderte, dort gegen die böhmische Armee mit frischen Kräften einzugreifen.
Der 17. Oktober 1813, ein Sonntag, war ein Tag dumpfer Stille. Es trat eine Pause im Kampf ein, nur im Norden ruhte Blücher nicht. Er nahm Eutritzsch und Gohlis und drang bis dicht an Leipzig vor. Die Verbündeten hielten um 2 Uhr im Dorf Gestewitz Kriegsrat; man beschloß am nächsten Morgen um 7 Uhr den Angriff zu machen. Da Napoleon keinen entscheidenden Sieg erfochten hatte und die Verbündeten nicht hindern konnte, nach Ankunft von 100.000 Mann Verstärkung den Angriff zu erneuern, während er selbst nur noch das Korps Reynier von Düben erwartete, hätte er seine Stellung bei Leipzig, die unhaltbar geworden war, räumen und anderswo die Schlacht wieder aufnehmen müssen.
Aus politischen Rücksichten that er es nicht; er baute darauf, daß Kaiser Franz sein Schwiegervater war. Durch den bei Konnewitz gefangenen General Merveldt ließ er am 17. Okt. den Monarchen einen Waffenstillstand unter Bedingungen anbieten, die im August ihm den Frieden verschafft hätten. Jetzt aber gingen die Verbündeten auf dies Anerbieten gar nicht ein und würdigten es nicht einmal einer Antwort.
Die Lagepläne vom 16. und 18. Oktober 1813
Am 18. Oktober 1813 um 2 Uhr morgens gab Napoleon die alte, in ihrer Ausdehnung nicht mehr zu behauptende Stellung auf und rückte ungefähr eine Stunde Wegs näher an Leipzig zurück. Der rechte Flügel (Poniatowski) stand an der Pleiße von Konnewitz bis Dölitz, das Zentrum bildete bei Probstheida einen ausspringenden Winkel, der linke Flügel reichte bis zur Parthe und war bis zur Mündung derselben in die Pleiße im Norden von Leipzig zurückgebogen.
Die neue Stellung war 4 Stunden lang und nur von 150.000 Mann besetzt, die dem vereinigten Angriff der Verbündeten, welche sich auf 300.000 Mann mit 1.400 Geschützen verstärkt hatten, kaum gewachsen waren. Die letztern waren daher auch voll frischer Kampflust. Trotzdem war die Schlacht auch 18. Okt. heiß und blutig und nicht überall siegreich für die Verbündeten, da Napoleon von der Tabaksmühle bei Stötteritz aus seine Stellungen hartnäckiger und länger, als es für die bloße Deckung des Rückzugs notwendig gewesen wäre, verteidigte.
Die Angriffskolonnen der Verbündeten setzten sich nur sehr allmählich, teilweise recht spät, in Bewegung, so daß der Stoß nicht auf einmal mit aller Macht erfolgte. Auf dem linken Flügel griffen die Österreicher unter Hessen-Homburg die Stellungen der Franzosen rechts der Pleiße in Dölitz und Lösnig an, welche aber nicht genommen werden konnten.
Auch Probstheida wurde von den Franzosen unter Napoleons persönlicher Führung gegen die mit bewunderungswürdiger Tapferkeit unternommenen Sturmversuche der Kolonne Barclays behauptet. Dagegen nahm der rechte Flügel der böhmischen Armee unter Bennigsen, welcher aber erst am Nachmittag eingriff, Zuckelhausen, Holzhausen und Paunsdorf, wo die Sachsen und 500 württembergische Reiter unter General v. Normann übergingen.
Bei der Erstürmung von Paunsdorf wirkten bereits Bülow und Wintzingerode von der Nordarmee mit, welche endlich trotz Bernadottes Sträuben herangekommen war. Langeron und Sacken von der schlesischen Armee eroberten Schönefeld und Gohlis, und als die Nacht hereinbrach, waren die Franzosen im Osten und Norden von Leipzig bis auf eine Viertelstunde an die Stadt zurückgedrängt.
Hätte Gyulay mit genügenden Streitkräften sich des Passes von Lindenau bemächtigt, so wäre der Ring um Napoleon geschlossen und ihm der Rückzug abgeschnitten gewesen. Indes Schwarzenberg trug Bedenken, den noch immer gefürchteten Gegner zu einem Verzweiflungskampf zu zwingen, und Gyulay erhielt Befehl, den Feind bloß zu beobachten und einem Angriff auf Pegau auszuweichen. Dies geschah, und so konnte Bertrand die Straße nach Weißenfels ungehindert einschlagen, wohin ihm von Mittag an der Troß, die Wagen mit Verwundeten und der Artilleriepark folgten.
In der Nacht begann der Abmarsch des Heers selbst, der Garden, der Reiterei, der Korps Victor und Augereau, während Macdonald, Ney und Lauriston die Stadt verteidigen und den Rückzug decken sollten; alle Punkte außerhalb Leipzigs wurden geräumt.
Da Napoleon, nur schwer auf einen Sieg verzichtend, für den Rückzug ungenügende Maßregeln getroffen hatte, so war derselbe äußerst schwierig und geriet bald ins Stocken, da nur die eine Straße nach Weißenfels mit mehreren Defileen zu Gebote stand.
[Anmerkung: (nach o.g. Meyers) Defilee (franz. Défilé, "Wegenge"), jeder Weg oder Durchgang, der durch Terrainhindernisse so beengt ist, daß er nur in verhältnismäßig schmaler Fronte zu marschieren gestattet. In der Regel sind die Kämpfe in und vor Defileen sehr blutig, wofür die Kriegsgeschichte zahlreiche Beispiele liefert. Man sucht deshalb ein Defilee so schnell wie möglich zu durchschreiten.]
Indes der Vorschlag Kaiser Alexanders, mit einem Teil des Heers die Pleiße zu überschreiten und sich auf diese Straße zu werfen, und Blüchers Anerbieten, mit 20.000 Mann Reiterei die Verfolgung zu übernehmen, wurden abgelehnt und nur geringe Streitkräfte mit derselben beauftragt.
Für den 19. Oktober 1813 ward die Disposition zu einer neuen Schlacht ausgegeben und, als sich beim Fallen des Morgennebels am 19. herausstellte, daß diese nicht mehr nötig war, die Erstürmung von Leipzig befohlen.
Während die französische Armee in verwirrtem Getümmel sich nach dem Ranstädter Thor drängte und Napoleon selbst nur mit Mühe den Ranstädter Steinweg erreichte, hatten die Russen unter Langeron und Sacken die Hallesche, Bülow die Grimmaische Vorstadt erobert; hier gelang es dem Königsberger Landwehrbataillon unter Major Friccius zuerst, in die Stadt einzudringen; das Petersthor im Süden wurde von Bennigsen genommen.
Die Verteidiger, welche anfangs mit gewohnter Tapferkeit kämpften, gerieten zuletzt in völlige Auflösung, und die Verwirrung des in der Stadt zusammengedrängten Menschenknäuels erreichte den höchsten Grad, als aus Versehen die Elsterbrücke vor dem Ranstädter Thor, über welche die Rückzugsstraße ging, zu früh in die Luft gesprengt wurde. Viele kamen auf der Flucht um, so Marschall Poniatowski; andre mußten sich kriegsgefangen ergeben.
Gegen 1 Uhr hielten die Monarchen von Preußen und Rußland ihren Einzug in Leipzig unter dem begeisterten Jubel der Bevölkerung, der eine Zeitlang das entsetzliche Elend vergessen machte, welches die ungeheure Menge von Verwundeten und Kranken in der Stadt verursachte.
Die dreitägige Schlacht hatte auf beiden Seiten gewaltige Opfer gekostet:
Die Preußen zählten 16.000 Mann und 600 Offiziere an Toten und Verwundeten, die Russen 21.000 Mann und 860 Offiziere, die Österreicher 14.000 Mann und 400 Offiziere.
Die Franzosen verloren 30.000 Mann an Toten und Verwundeten, 15.000 Gefangene, 300 Geschütze und ließen 23.000 Mann in den Lazaretten zurück.
Indes der Preis des Kampfes war auch ein großer. Napoleons Weltmacht war vernichtet, und wenn auch die laue Verfolgung nach dem Sieg die sofortige Beendigung des Kriegs vereitelte, so war doch mit einem Schlag Deutschland bis zum Rhein befreit, und das deutsche Volk hat mit Recht den 18. Okt. lange Zeit als den Beginn seiner Wiedergeburt gefeiert.
Zahlreiche Denksteine bezeichnen die merkwürdigsten Punkte der Schlacht, so die gußeiserne Spitzsäule (seit 1847) auf dem "Monarchenhügel", das Denkmal des Fürsten Schwarzenberg (ein Würfel aus Stein unweit Meusdorf), der Napoleonsstein unweit des Thonbergs, dazu mehrere in der Stadt selbst errichtete Denkmäler. Auch ward schon 1814 in Leipzig ein Verein zur Feier des 19. Okt. gegründet, der sich die Aufgabe stellte, das Gedächtnis der Völkerschlacht in möglichst treuer Überlieferung der Nachwelt zu erhalten und alle auf dieselbe bezüglichen Schriftstücke zu sammeln.
1863 wurde die 50jährige Jubelfeier der Schlacht besonders festlich begangen, noch kurz vor den welterschütternden Ereignissen von 1866 bis 1871, welche das Andenken des Leipziger Kampfes etwas zurückdrängten. 1875 wurde eine neue Korvette der deutschen Marine der Leipziger Schlacht zu Ehren "Leipzig" getauft.
[Vgl. Aster, Die Gefechte und Schlachten bei L. im Oktober 1813 (Dresd. 1852-53, 2 Bde.); Naumann, Die Völkerschlacht bei L. (Leipz. 1863); Wuttke, Die Völkerschlacht bei L. (Berl. 1863); Apel, Führer auf die Schlachtfelder Leipzigs (Leipz. 1863).]
Die Schlacht bei Leipzig
Die Gegend von Leipzig ist wiederholt der Schauplatz großer Schlachten gewesen. Zwei Schlachten (7. [17.] Sept. 1631 und 2. Nov. [23. Okt. alten Stils] 1642 gehören dem Dreißigjährigen Kriege an (bei Breitenfeld). Von der Reihe von Gefechten und Schlachten vom 14. bis 20. Okt. 1813 bezeichnet man die vom 16. bis 18. Okt. meist als die "Völkerschlacht von Leipzig" (bataille des geants bei den Franzosen).
Auf die Kunde vom Vorrücken der schlesischen Armee hinter die Saale, von dem Elbübergang der Nordarmee und dem Hinaustreten der böhmischen Hauptarmee aus dem Erzgebirge beschloß Napoleon, der am 7. Okt. 1813 von Dresden nach Düben gegangen war, seine Truppen am 13. Okt. gegen Leipzig in Marsch zu setzen. Murat mit 3 Armeekorps und dem 4. Artilleriekorps war unterdessen vor der böhmischen Armee fechtend zurückgewichen und hatte im Süden der Stadt Stellung genommen.
Am 14. Oktober 1813 führte eine Rekognoscierung [militärische Ausspähung] Wittgensteins ihm gegenüber zu dem für die Verbündeten glücklichen großen Reitergefecht bei Liebertwolkwitz. Napoleon, der am 14. Okt. in Leipzig eingetroffen war, ließ seine Truppen in die für die Schlacht bestimmten Stellungen auf der Landwelle Liebertwalkwitz-Wachau-Markkleeberg rücken; gegen die schlesische Armee stellte er nur das Armeekorps Marmonts im Nordwesten auf.
Fürst Schwarzenberg, der den Oberbefehl über das verbündtete Heer führte, traf für den 16. Okt. folgende Anordnungen :
Das 3. Korps (Gyulay) sollte von Markranstädt gegen Leipzig vorrücken und mit der Blücherschen Armee Verbindung suchen; das 2. Korps (Meerveldt) war von Zwenkau her zum Angriff auf Connewitz bestimmt, um von hier die Hauptsstellung des Feindes im Rücken zu fassen, gegen welche Wittgenstein mit 3 Korps vorgehen sollte.
Die Stärke der böhmischen Armee betrug, da mehrere Korps noch zurück waren, gegen 134.000 Mann.
Die schlesische Armee, 60.000 Mann stark, sollte von Schkeuditz angreifen. Es wurde dabei auf die Mitwirkung der Nordarmee, 50.000 Mann, gerechnet; diese hatte aber bei Halle Halt gemacht, und der Kronprinz von Schweden war wenig zum Schlagen geneigt. Napoleon hoffte noch auf den Sieg über die vereinzelten Heere der Verbündeten. Doch war er in Unkenntnis über seine Gegener, namentlich über die schlesische Armee.
Der 16. Oktober 1813.
Napoleon hatte südlich von Leipzig 3 Armeekorps auf der Linievon Connewitz über Markkleeberg und Wachau bis Liebertwolkwitz aufgestellt, hinter ihnen die Junge Garde und eine Division Alter Garde als Reserve, das 4. Kavalleriekorps hinter dem rechten Flügel bei Dösen, die 1. Division Alter Garde bei Probstheida, hinter ihr die Gardekavallerie und das 5. Kavalleriekorps. Das 11. Armeekorps, noch im Marsch, kam erst um 11 Uhr mit dem 2. Kavalleriekorps bei Holzhausen an; das 1. Kavalleriekorps wurde nach Meusdorf vorgezogen und das 9. Armeekorps hinter Zuckelhausen aufgestellt. Nördlich von Leipzig befand sich das 6. Armeekorps (Marmont) bei Breitenfeld, das 4. (Bertrand) bei Eutritzsch, zwei Divisionen des 3. bei Mockau, und zu diesen, unter Neys Befehl stehenden Truppen gehörte auch das 3. Kavalleriekorps. Die 3. Division des 3. und das 7. Armeekorps (Reynier) waren noch im Anmarsch von Delitzsch und Düben.
Die böhmische Armee kämpfte nach Schwarzenbergs Anordnung auf drei getrennten Gefechtsfeldern :
auf dem rechten Ufer der Pleiße Wittgenstein unter Barclay de Tollys Oberbefehl gegen die französische Hauptmacht,
zwischen Pleiße und Elster Meerveldt gegen Poniatowski bei Connewitz,
zwischen Elster und Luppe Gyulay gegen Bertrand, der diese einzige Rückzugslinie decken mußte.
Die Entscheidung lag bei Wachau. Der Vormarsch zum Angriff auf die franz. Stellung wurde am frühen Morgen angetreten. Das franz. 4. Korps rückte schleunigst nach Lindenau, um diesen wichtigen Punkt zu behaupten. Bei Wachau eröffneten 48 russische Geschütze des Prinzen von Württemberg die Schlacht und das Dorf wurde genommen. Die Franzosen fuhren dagegen auf dem Höhenzuge östlich von Wachau 100 Geschütze auf, deren verheerendes Feuer die russ. Infanterie zum Verlassen des Dorfes zwang. Gleichzeitig kämpfte Kleist um Markkleeberg; das von Klenau und Gortschakow angegriffene Liebertwolkwitz wurde durch die Franzosen glänzend verteidigt. Die Gefechte bei Connewitz und Lindenau blieben unentschieden.
So wütete die Schlacht auf allen Punkten, als Napoleon eintraf. Er versucht durch einen Massenangriff die Mitte der Verbündeten zu durchbrechen, gleichzeitig aber ihren rechten Flügel zu umgehen; 8.000 Reiter wurden unter Murat vereinigt und die Geschützreserve herbeigezogen. Das franz. 11. Korps hatte unterdessen den Kolmberg bei Liebertwolkwitz genommen und weitere Fortschritte gemacht. Gegen den linken Flügel hin gewannen die Verbündeten jedoch durch eine Attacke der ötserreichischen Kürrasiere Feld.
Nun setzte sich Kavalleriemasse unter Murat in Bewegung, kam in ihrem Ansturm dem Hügel nahe, auf dem verbündeten Monarchen hielten, ward dann aber geworfen und bis an die Battarien zurückgetrieben. Die franz. Angriffe auf Güldengossa und Seifertshain schlugen ebenfalls fehl. Bei Connewitz hatte Meerveldt den Übergang über die Pleiße zu erzwingen gesucht und war gefangen worden.
Unabhängig von diesen Gefechten wurde nördlich von Leipzig die Schlacht von Möckern geschlagen. Marmont mit dem 6. Korps, auf die Mitwirkung des 3. rechnend, hatte bei dem Anmarsch der schlesischen Armee eine Defensivstellung, den linken Flügel an Möckern und die Elster, den rechten an den Rietzschkebach bei Eutrizsch gelehnt, besetzt.
Die Schlacht begann um Mittag. Möckern wurde mehrmals genommen und verloren, worauf ein Häuserkampf entbrannte. Das Yorcksche Korps und die Russen rückten indessen gegen die Hauptstellung und gewannen durch Bajonettangriffe immer mehr Feld. Möckern wurde endlich erobert.
Auf dem anderen Flügel schwankte die Schlacht, bis sie durch einige Attacken der preußischen Kavallerie entschieden wurde. Die Franzosen zogen sich, zum Teil in voller Flucht, auf Leipzig zurück; Gohlis und Eutritzsch aber blieben in ihrem Besitz. Das 6. Korps stellte sich bei Schönefeld wieder auf.
Der 17. Oktober 1813.
Der Sonntag verging ruhig. Napoleon hatte den gefangenen General Meerveldt an den Kaiser von Österreich abgeschickt und hoffte auf Unterhandlungen, deren Ausbleiben ihn endlich von der Notwendigkeit des Rückzugs überzeugte. Er ließ daher in der Dunkelheit die Truppen südlich von Leipzig näher an die Stadt heranrücken. Die Verbündeten beabsichtigten, die Ankunft der noch entfernten Hauptarmee, der russ. Reservearmee und der Nordarmee, abzuwarten, um die Schlacht zu erneuern. Nur bei der schlesischen Armee fiel an diesem Tage ein Gefecht vor, in dem Blücher Gohlis und Eutritzsch einnahm.
Zu dieser Zeit traf das franz. 7. Korps (die Sachsen und eine franz. Division) bei Leipzig ein und stellte sich zwischen Schönefeld und Abtnaundorf hinter der Parthe auf. Auch die Nordarmee langte endlich bei Breitenfeld an. In Leipzig waren weder Anstalten zu kräftigen Verteidigung getroffen, noch für den Rückzug Brücken geschlagen. Die franz. Armee hatte aber in der Nacht zum 18. Okt. auf einer weiter nördlich gelegenen Landwelle ihre neue Stellung bezogen, die insofern bedenklich war, als sie im Falle der Niederlage den Rückzug nur durch die enge Stadt auf einer einzigen, mehrfach Brücken überschreitenden Dammstraße nach Lindenau gestattete.
Der 18. Oktober 1813.
Schwarzenbergs Heer war zum erneuten Angriff in drei Kolonnen geteilt.
Die rechte Flügelkolonne unter Benningsen brach früh auf, fand den Kolmberg verlassen und vertrieb die Franzosen aus den nur noch schwach besetzten Dörfern. Holzhausen wurde nach tapferer Gegenwehr erst um 2 Uhr nachmittags erstürmt.
Die zweite Kolonne unter Barclay de Tolly, welcher die Monarchen folgten, fand Wachau verlassen, drängte die franz. Vortruppen gegen Probstheida zurück und rückte dann mit der dritten Kolonne unter dem Erbprinzen von Hessen-Homburg weiter vor, wodurch der Kreis um Leipzig immer enger wurde.
Bei Lindenau drangen die Franzosen nochmals vor, um die Rückzugslinie zu öffnen, und diese wurde ihnen nicht länger streitig gemacht. Bei Schönefeld, wo das russ. Korps von Langeron gegen Ney kämpfte, trat schon am Vormittag ein Teil der Sachsen, die leichte Reiterbrigade, zu den Verbündeten über, fast gleichzeitig auch die württemb. Kavallerie.
Von der schles. Armee erhielt das russ. Korps von Sacken Befehl, Pfaffendorf zu nehmen und gegen das Hallesche Thor von Leipzig vorzurücken; das preuß. Korps von Yorck folge zur Unterstützung bis Gohlis. Die Franzosen leisteten auch hier tapfer Widerstand.
Gegen 2 Uhr nachmittags erschien endlich die Nordarmee von Taucha her und erstürmte Paunsdorf. Zu dieser Zeit trat auch die sächsische Infanterie und Artillerie zu den Verbündeten über. Die entstandene Lücke wurde zwar schnell durch andere Truppen ausgefüllt, aber der Vorgang machte auf die Franzosen tiefen Eindruck. Das Napoleon selbst verteidigte Probstheida konnte von den verzweifelt kämpfenden Preußen und Russen nicht genommen werden. Dagegen wurde Dölitz und Lößnig trotz Poniatowstis heldenmütigen Widerstand erobert.
Von der schles. Armee erhielt Yorck Befehl, nach Halle zur Verfolgung der Franzosen, welche bereits auf dem Rückzuge waren, abzumarschieren. Langeron, der unausgestzt um Schönefeld gestritten hatte, nahm es erst gegen Abend mit dem Verluste von 4.000 Mann. Das Vorrücken der Nordarmee vollendete hierauf die Einschließung der Franzosen. Nur die Straße nach Weißenfels blieb ihnen zum Rückzuge frei, welchen Napoleon bereits 11 Uhr vormittags befohlen hatte.
Der 19. Oktober 1813.
Die Verbündeten gingen nun zum Angriff auf die Stadt über, in welcher die Verwirrung bald den höchsten Grad erreichte. Zwischen 8 und 11 Uhr wurden die Vorstädte erstürmt, während Napoleon sich durch das Gewühl seiner Soldaten Bahn brechen mußte, bis ihn eine Menschenwoge durch das Ranstädter Thor mit fortriß. Das ostpreuß. Landwehrbataillon Königsberg unter Major Friccus drang zuerst gegen 11 Uhr in die innere Stadt ein, nachdem es das äußere Grimmaische Thor erstürmt hatte.
Die Verbündeten folgen von allen Seiten. Die Verteidigung war jedoch plan- und hoffnungslos, und als endlich auch die Nachhut abziehen wollte, wurde sie durch die vorzeitige Sprengung der Elsterbrücke am Rantsädter Steinweg (gegen Mittag) abgeschnitten. Viele ertranken, darunter der Fürst Poniatowski; die meisten erlagen den Waffen oder wurden gefangen. Gegen 1 Uhr nachmittags zogen die verbündeten Monarchen ein; der König von Sachsen versuchte vergeblich Unterhandlungen mit ihnen anzuknüpfen und wurde später (23. Okt.) gefangen nach Berlin geführt.
Die Stärke der Truppenmassen, welche in dieser Riesenschlacht gegeneinander gekämpft haben, ist auf nahezu 500.000 Mann mit 2.000 Geschützen zu schätzen:
Napoleons Heer betrug gegen 180.000 Mann, das der Verbündeten am ersten Schlachttage 200.000 Mann, nach dem Eintreffen Bennigsens, Colloredos und der Nordarmee jedoch fast 300.000 Mann.
Den Verlust der Franzosen schätzt man auf 78.000 Mann (worunter 15.000 Gefallene, 15.000 Verwundete, 23.000 Lazarettkranke und 25.000 Gefangene) nebst 300 Geschützen und gegen 1.000 Fahrzeugen, den der Verbündeten auf etwa 51.000 Mann, nämlich 21.000 Russen, 14.000 Österreicher, 16.000 Preußen und 300 Schweden.
Grenzenlos war das Elend und die Verwüstung in der Gegend von Leipzig; etwa 12 Dörfer waren gänzlich zerstört und der Schaden an Eigentum ist auf über 9 Mill. M. angeschlagen worden. Die Verfolgung der geschlagenen Armee erfolgte nicht mit dem nötigen Nachdruck; Rücksichten mancherlei Art mögen hierbei obgewaltet haben. Napoleons Niederlage bedeudete die Befreiung Deutschlands bis zum Rhein.
Mehrere Denkmäler und Denksteine erinnern an die Schlacht; so die gußeiserne Spitzsäule auf dem bei Liebertwolkwitz gelegenen sog. Monarchenhügel (wo nach einer irrtümlichen Überlieferung die drei Monarchen am Nachmittag des 18. Okt. vereint gewesen sein sollen, als die Siegesnachrichten eintrafen), das Denkmaldes Fürsten Schwarzenberg unweit Meusdorf, der Napoleonstein am Südfriedhof (der Standpunkt Napoleon am 18.) u.a.
Mehrere dieser Denkmäler hat der Verein zur Feier des 19. Okt., der sich 1843 in Leipzig gebildet hat, errichtet; auch sind durch Theodor Apel 41 Marksteine mit Bezeichnung der Stellung der betreffenden Armeekorps auf den bedeutendsten Punkten des Schlachtfeldes errichtet worden.
[Litteratur. Aster, Die Gefechte und Schlachten bei Leipzig im Okt. 1813 (2 Bde.,Dresd.1852-53; 2.Ausg.1856); K.G.von Berneck, Die Schlachten bei Leipzig (Lpz.1855); Sommer, Die Völkerschlacht bei Leipzig (2.Aufl.,ebd.1863); Wuttke, Die Völkerschlacht bei Leipzig (Berl.1863); R.Naumann,Die Völkerschlacht bei Leipzig (Lpz.1863); Apel, Führer auf die Schlachtfelder Leipzigs (ebd.1863); ders., Tabellarische Zusammenstellung der Kriegsereignisse bei Leipzig im Okt.1813 (ebd.1866); Moser, Leipzigs Schlachtfelder 1813 (ebd.1873).]