Der Verlauf der Völkerschlacht 1813 bei Leipzig




Napoleon auf dem Kaiserthron, Gemälde von Jean Auguste Dominique Ingres, 1806. Bildquelle: wikipedia_org Die Situation vor der Völkerschlacht


Am 17. August 1813 begannen nach einem zweieinhalbmonatigen Waffenstillstand die Kampfhandlungen erneut. In diesem Herbstfeldzug standen sich die Armeen in folgender Aufstellung gegenüber :

Von den Verbündeten standen die Hauptarmee unter dem österreichischen Feldmarschall Karl Phillpp Fürst zu Schwarzenberg mit 254.000 Mann (davon 127.000 Österreicher, 82.000 Russen, 45.000 Preußen) in Böhmen,
die Schlesische Armee unter Blücher (Chef des Generalstabs: Gneisenau) mit 105.000 Mann (davon 66.500 Russen, 38.000 Preußen) im damaligen Niederschlesien,
die Nordarmee unter dem schwedischen Kronprinzen Karl Johann Bernadotte mit 125.000 Mann in Brandenburg und
das Korps Wallmoden mit 27.000 Mann (Russen, Schweden, Engländer, zwei preußische Freikorps unter Lützow und Reiche) in Mecklenburg.

Von der französischen Armee stand die Hauptarmee unter Napoleon mit 174.000 Mann im Raum Zittau-Görlitz-Pirna,
die Boberarmee (Bober, heute polnisch Bobr) unter Marschall Michel Ney mit 130.000 Mann an der Katzbach ( heute polnisch Kaczawa),
die Berliner Armee unter Marschall Nicolas Charles Oudinot mit 70.000 Mann im Raum Luckau,
ein Zwischenkorps unter General Jean Baptiste Girard mit 15.000 Mann im Raum Magdeburg-Wittenberg und
das XIII. Korps unter Marschall Louis Nicolas Davout mit 38.000 Mann an der Unterelbe.


Trotz der zahlenmäßigen Übermacht der Verbündeten, die mit 511.000 den 427.000 Mann der französischen Armee gegenüberstanden, befand sich die letztere durch ihren einheitlichen Oberbefehl im Vorteil.
Der von Metternich zum Höchstkommandieren der Verbündeten hochgespielte Schwarzenberg machte durch seine - im Sinne der österreichischen Diplomatie - zögernde Haltung den Trachenbergplan zunichte, wonach sämtliche Truppen der Verbündeten gemeinsam gegen die Hauptstreitkräfte des Feindes vorzugehen und diese in Offensivschlachten zu vernichten hatten.


Das es zur siegreichen Entscheidungsschlacht bei Leipzig kam, war das Verdienst der deutschen Patrioten Blücher und Gneisenau. Die von ihnen befehligte Schlesische Armee, die etwa zu zwei Dritteln aus Russen und zu einem Drittel aus Preußen bestand, wurde durch ihre Initiative immer wieder kriegsentscheidend.


Von seiner zentralen Stellung im Raum Dresden-Görlitz aus versuchte Napoleon, die Teilarmeen der Verbündeten einzeln zu schlagen. Die Hauptarmee und die Schlesische Armee wichen ihm aus.

Die von Wittenberg aus auf Berlin vorstoßenden französischen Truppen wurden am 23. August bei Großbeeren (nördlich von Ludwigsfelde) durch preußische Truppen abgewehrt, ohne daß die übrigen Verbände der Nordarmee unter Bernadotte mit in das Kampfgeschehen eingriffen. Ebenfalls erfolgfreich konnte die preußische Landwehr den von Magdeburg aus angreifenden Truppenteil unter Girard bei Hagelberg vernichten (27. August).

Napoleon, Bildquelle: wikipedia_org
An der Katzbach besiegte im gleichen Zeitraum die Schlesische Armee die französische Teilarmee unter Macdonald völlig (26. August, siehe 3.Bild), während der Vorstoß unter Schwarzenberg mißglückte.


In Dresden gewann Napoleon zum letzten Mal auf deutschem Boden eine bedeutende Schlacht (26./27. August 1813).


Die sich nach böhmen zurückziehenden Verbündeten wurden von Vandamme verfolgt, der dadurch die Verbindung zur napoleonischen Hauptarmee verlor und von den in seinem Rücken angreifenden Preußen und Russen in der Schlacht bei Kulm und Nollendorf (29./30. August; heute tschechisch Chlumec und Chabarovic bzw. Naklerov) völlig vernichtet wurde.

Ein erneuter Angriff auf Berlin seitens der französischen Berlinarmee unter Ney (vorher Oudinot) wurde von der preußischen Truppe unter Bülow in der Schlacht bei Dennewitz südwestlich von Jüterborg (6. September) vernichtend zurück-geschlagen; auch hier wurde die preußische Landwehr nicht von der gesamten Nordarmee unterstützt.

Die Schlacht an der Katzbach. Bildquelle: wikipedia_org
Die Hauptarmee unter Schwarzenberg verharrte den September über in Teilnahmslosigkeit; selbst den geplanten Vormarsch auf Sachsen verzögerte der österreichische Armeekommandant in Übereinstimmung mit der Politik des österreichischen Kaisers und seines Kanzlers Metternich.

Da ergriff das Oberkommando der Schlesischen Armee die Initiative, um durch rasch herbeizuführende Entscheidungsschlachten den Krieg zu beenden und die Verluste nicht ins Unendliche anwachsen zulassen.

Blücher marschierte mit seiner Armee die Elbe abwärts, vernichtete bei Wartenburg (nahe Wittenberg) die französische Besatzung und ging dort über die Elbe. Dadurch wurde die Nordarmee zum Vordringen veranlaßt und gleichzeitig Napoleon in seiner rückwärtigen Verbindung zur Elblinie bedroht, so daß er sich gezwungen sah, sich in Richtung Leipzig zurückzuziehen.
Sein Versuch, bei Düben die Schlesische Armee zu fassen und in einer Einzelschlacht zu vernichten, mißlang; Blücher und Gneisenau wichen geschickt aus, blieben aber stets in der Nähe des zuvermutenden Schlachtfeldes.

Die kühnen Operationen der Schlesischen Armee zwangen auch Schwarzenberg, mit seiner Hauptarmee von Böhmen aus in Richtung Leipzig zu marschieren; die polnisch-russische Reservearmee unter Bennigsen zog er nach Leipzig nach.

Seit dem Beginn des Herbstfeldzuges hatten sich die Truppenstärken durch Verluste, Krankheiten und (besonders bei der französischen Armee) durch Fahnenflucht vermindert. Den rund 190.000 der napoleonischen Armee (davon etwa 20.000 Mann an Rheinbundtruppen: Sachsen, Württemberger, Westfalen, Hessen-Darmstädter) standen am 16. Oktober rund 200.000 Verbündete gegenüber; dazu kamen am 18. Oktober noch die Reservearmee unter Bennigsen mit 30.000 Mann, die Nordarmee unter Bernadotte mit 60.000 und die Armeeabteilung Colloredo der Hauptarmee mit 20.000 Mann hinzu.

Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg,  österreichischer Generalfeldmarschall. Bildquelle: wikipedia_org Für die Schlacht selbst entwarf Schwarzenberg mehrere Pläne. Die unsichere Aufklärung und die schlechte Nachrich-tenübermittlung ließen die Stellungen der napoleonischen Hauptkräfte wie auch die der Verbündeten nicht eindeutig bestimmen. Napoleon wurde nördlich von Leipzig angenommen, im Raum Wurzen-Eilenburg-Taucha, die Schlesische Armee und die Nordarmee im Raum Halle-Merseburg.

Schwarzenberg versuchte keinen konzentrischen Angriff auf den Gegner, um ihn vernichtend zu schlagen, sondern durch entsprechende Truppenbewegungen die französische Armee von ihrer rückwärtigen Verbindungslinie zu trennen und dadurch Napoleon zu einem Rückzug nach Norden oder Osten zu zwingen.

Doch die russischen Generale des Hauptquartiers, die genügend Erfahrungen in offensiver Kriegsführung hatten, zwangen den Oberbefehlshaber zur Änderung seines Planes :
Die Hauptarmee wurde nicht weiter zur Saale hin abgeschoben, sondern in Richtung Leipzig bewegt, wobei sie allerdings ins südliche Vorgelände abgedrängt und zerteilt wurde.
Die Armeen Wittgensteins und Klenaus wurden nun nicht nach Pegau und Borna dirigiert, sondern im Vorgefecht bei Liebertwolkwitz eingesetzt.



Das Erkundungsgefecht am 14. Oktober 1813

Um den genauen Standpunkt und die Stärke der napoleonischen Hauptarmee auszumachen, wurde das russische Armeekorps unter Wittgenstein mit dem Kavalleriekorps Pahlen zur Erkundung ausgeschickt.

Joachim Murat, gemalt von Francois Gerard, um 1800-1810. König von Neapel, Schwager Napoleons und Marschall von Frankreich. Bildquelle: wikipedia_org

Joachim Murat
Zwischen Liebertwolkwitz und Güldengossa wurden von beiden Seiten immer mehr Truppen in die Kampfhandlungen verwickelt. Das Vor- und Erkundungsgefecht entwickelte sich zum größten Reitergefecht der gesamten Schlacht :

Die Franzosen hatten den Galgenberg als die höchste Erhebung zwischen Liebertwolkwitz und Wachau zu ihrem Beobachtungspunkt und Standort ihrer starken Artillerie ausgebaut und dahinter ihre Kavallerie gesammelt.
Als diese unter der Führung der spanischen Dragoner für die Verbündeten überraschend zum Angriff übergingen, konnten sie erst vor Güldengossa zum Stehen gebracht und später mit Unterstützung der preußischen und österreichischen Kavallerie bis über den Galgenberg zurückgeworfen werden.
Das österreichische Infanterieregiment unter Klenau eroberte inzwischen Liebertwolkwitz, räumte es aber in der folgenden Nacht wieder. Kosaken und berittene preußische Landwehr kämpften am südlichen Flügel gegen polnische Verbände der napoleonischen Armee.

In dem siebenstündigen, unentschieden endenden Kampf hatten 15.000 Reiter gegeneinander gekämpft, unterstützt von starken Infanterieverbänden. Die Verbündeten hatten die Gewissheit gewonnen, daß es sich dabei nicht um die Hauptarmee handelte, sondern um die Truppen Murats, die ihre Stellungen nicht aufgeben wollten.
Die Entscheidungsschlacht mußte also bei Leipzig erwartet werden.
Ludwig Adolph Peter (Pjotr Christianowitsch) Graf zu Sayn-Wittgenstein, Generalfeldmarschall der russischen Armee. Bildquelle: wikipedia_org

Graf Wittgenstein




Die Kämpfe am 16. Oktober 1813

Leipzig um 1969 mit eingezeichneten Siedlungskernen um 1813
Eine größere Bildansicht erscheint hier.

Napoleon, der die Schlesische Armee nicht von Halle, sondern von Weißenfels erwartete, vereinigte alle verfügbaren Kräfte gegen die Schwarzenbergsche Hauptarmee in der Linie Markkleeberg-Wachau-Liebertwolkwitz.
Er wollte den rechten Flügel des Gegners unter Einsatz unter Einsatz starker Kavallerieverbände umgehen, um die zentrale Front der Verbündeten zu schwächen, dessen Reserven zu verbrauchen und die geschwächte zentrale Stellung durch seine hinter Liebertwolkwitz liegenden vereinigten Reserven völlig vernichten.

Entsprechend diesem Plan verteilte Napoleon seine Truppen wie folgt :
Als Hauptfront gegen die Böhmische Armee 138.000 Mann zwischen Pleiße und Parthe im Süden / Südosten Leipzigs, im Norden 43.000 Mann unter Ney und im Westen (Lindenau) das Korps Bertrand mit weiteren 10.000 Mann.

Michel Ney - Herzog von Elchingen, Fürst von der Moskwa , Marschall von Frankreich. Napoleon nannte ihn 'le brave des braves' (der Tapferste der Tapferen). Bildquelle: wikipedia_org Nach der 1. Direktive Napoleons sollten auch die nördlich von Leipzig liegenden Truppenverbände in Richtung Liebertwolkwitz in Marsch gesetzt werden, um in der Entscheidungsschlacht gegen die Hauptarmee mit eingesetzt werden zu können.
Der französische Kaiser versuchte damit, die im Süden von Leipzig stehenden Truppen der Verbündeten zu vernichten, bevor die anderen Armeen diesen zu Hilfe kommen konnten.

Der von Schwarzenberg entwickelte und von Langenau ausgearbeitete Plan sah den Angriff der Hauptarmee von Süden her und die Besetzung der Stadt unter gleichzeitigem Angriff Blüchers von Nordwesten her vor, um die Verbindung zur Böhmischen Armee herzustellen.

Um Napoleons eventuelle Durchbruchsversuche nach Westen zu vereiteln, wurde die Armeeabteilung Gyulai nach Lindenau beordert.
Die gewaltigen Schwierigkeiten bei der Überwindung des sumpfigen Geländes im Westen Leipzigs, das eine Verbindung der Truppen unmöglich machte, wurde von Henri Gratien Bertrand, französischer General, Grand Marechal du Palais und einer der engsten Vertrauten Napoleons. Bildquelle: wikipedia_org
den russi-schen Generalstabsoffizieren sofort erkannt. Im Einverständnis mit dem Zaren ließen sie diesen zweiten Operationsplan zunichte werden. Die russischen Truppen wurden auf das rechte Pleißeufer befohlen. Erst der sogenannte 3. Plan wurde dann für die Kämpfe des 16. Oktober entscheidend.

Die ebenfalls selbständig handelnde Schlesische Armee ließ sich nicht weiter nach Süden verdrängen, sondern marschierte über Schkeuditz nach Leipzig, ohne nach Lindenau vorzustoßen.
Ignacz Gyulay (Ignaz Gyulai) Graf von Maros-Nemeth und Nadaska, Feldmarschall, Präsident des österreichischen Hofkriegsrates und Feldzeugmeister. Bildquelle: wikipedia_org
Schwarzenberg aber ließ die österreichischen Truppen einen Angriff auf Connewitz vorbereiten und von Gyulai einen Angriff vor Lindenau nur demonstrieren - die Rückzugsstraße für Napoleon ernsthaft zu sperren war mit den wenigen Kräften schon am 16. Oktober nicht möglich.


Die Hauptlast der Kämpfe hatte das russische Korps Wittgenstein östlich der Pleiße zu tragen. Der Verlauf der blutigen Schlacht sollte den russischen Generälen recht geben. Allein ihrem Einfluß war schließlich der unent-schiedene Ausgang der Schlacht bei Wachau zu verdanken - ein Sieg Napoleons lag hier durchaus noch im Bereich des Möglichen.


Am 16. Oktober 1813 kam es statt der erwarteten großen Schlacht zu drei Teilkämpfen : zur Schlacht bei Wachau und den Gefechten bei Lindenau und Connewitz.

Zwischen Markkleeberg und Liebertwolkwitz mit Wachau als Zentrum entbrannte der heftige Kampf :
Um die 30.000 Österreicher im Überschwemmungsgebiet zwischen Pleiße und Elster festzuhalten, hatte Napoleon alle erreichbaren Brücken zwischen Connewitz und Gaschwitz sprengen lassen.
Den Östereichern war es nur möglich, über die unzerstörte Brücke der Pleiße bei Großdeuben und über die der Gösel bei Cröbern zu gelangen. Dieser gewaltige Umweg brachte Zeitverluste.

Der unzweckmäßige Einsatz der Truppen durch Schwarzenberg hatte Napoleon bei Wachau ein klares Übergewicht verschafft : Von den etwa gleichstarken Truppen der Verbündeten und Napoleons standen hier ca. 72.000 Verbündete der 138.000 Mann starken napoleonischen Armee gegenüber.

Prinz Eugen von Württemberg. [Bildquelle unbek.] Am Morgen des 16. Oktober hatten zunächst die russisch preußischen Truppen unter Prinz Eugen von Württemberg Wachau genommen, wurden dann aber von französischen Verbänden unter starkem Artilleriebeschuß zu ständigen erbitterten Kämpfen um diese Stellung gezwungen, in der die hier eingesetzten Verbündeten auf ein Fünftel ihres Bestandes zusammenschmolzen.

Links von diesen sich tapfer verteidigenden Truppen ging die preußisch-russische Kolonne unter Kleist zum Angriff auf Markkleeberg über, eroberte und verteidigte es unter schweren Verlusten standhaft gegen die napoleonische Übermacht.
Der russische Fürst Andrej Iwanowitsch Gortschakow. Bildquelle: wikipedia_org
Östlich Wachaus griffen ebenfalls preußisch-russische Truppen unter Gortschakow und österreichische unter Klenau Liebertwolkwitz an und eroberten es.

Am Mittag dieses Tages kamen die Angriffe der Verbündeten überall zum Stehen. Wachau, Liebertwolkwitz und der Kolmberg wurden von der französischen Armee wieder erobert, so daß Napoleon in Leipzig die Siegesglocken läuten ließ.


Friedrich Emil Ferdinand Heinrich Graf Kleist von Nollendorf, preußischer Generalfeldmarschall. Bildquelle: wikipedia_org Vom Wachtberg bei Güldengossa konnten der Zar und seine Heerführer den Verlauf der Schlacht beobachten. Die Gefährlichkeit der Lage erkennend, riefen sie die marschierenden Reserven zur Unterstützung.

Noch während der Schlacht wurden im Sinne der russischen Generale und ihrer von Anfang an geforderten Führung die verbündeten Truppen umdisponiert, so daß diese anrückenden Reserven den unentschiedenen Ausgang der Schlacht herbeiführten, da Napoleon seine günstige Situation der Mittagstunde nicht zu seinem Vorteil ausbauen konnte - seine Truppen waren in der Schlacht bei Möckern gebunden.

Er versuchte, vor einem zentralen Durchbruch die Hauptarmee durch das XI. Korps unter Macdonald zu umgehen. Doch der Einsatz des russischen Reiter- Carl Magnus Freiherr von der Pahlen, russischer Politiker, General der Kavallerie der russischen Armee. Bildquelle: wikipedia_org korps Pahlen und der ersten Kosakenverbände der heranrückenden Reserve-armee unter Bennigsen half die österreichische Ausgangsstellung zu halten.

Das Glanzstück der allgemeinen Offensive, die Napoleon am frühen Nachmittag begann, war ein groß angelegter Reiterangriff auf Güldengossa nach dem Muster des 14. Oktober 1813. Diesmal wehrten ihn russische Leibgardisten unter Orlow-Denisow ab, unterstützt von der russischen Kavalleriedivision Schewitsch. Entscheidend wurde auch hier die Standhaftigkeit der preußisch-russischen Waffenbrüder unter Eugen von Württemberg.

Trotz großer Verluste hielt der linke Flügel der Verbündeten die eroberten Stellungen in Markkleeberg, obgleich Napoleon die Junge Garde unter Oudinot von Liebertwolkwitz dorthin beorderte.

Gerade noch rechtzeitig konnten die inzwischen eintreffenden österreichischen Reserven die Schlacht um die Schäferei Auenhain siegreich entscheiden und den Durchbruch Napoleons verhindern.
Die schwersten Verluste hatten die russisch-preußischen Truppen unter Eugen von Wittemberg zu tragen :

von 9.000 Mann hielten am Abend nur noch 1.200 die Stellung.


Der unentschiedene Ausgang der Schlacht bei Wachau hätte sich für Napoleon nur durch wesentliche Truppenverstärkungen zum Sieg wandeln können.
Gebhard Leberecht von Blücher, Fürst von Wahlstatt,  preußischer Generalfeldmarschall. Als Draufgänger:'Marschall Vorwärts'. Ihm zu Ehren steht seine Büste in der Walhalla. Bildquelle: wikipedia_org Diese Kräfte wurden jedoch im Norden von Leipzig festgehalten, wo Blücher und Gneisenau mit der Schlesischen Armee einen Angriff gewagt hatten und damit den weiteren Verlauf der gesamten Völkerschlacht entscheidend beeinflußten.

Blücher, der nach dem 3. Schwarzenbergschen Operationsplan mit seiner Armee von Halle über Schkeuditz nach Leipzig vorstoßen sollte, versuchte auf jeden Fall, zum Angriff überzugehen.
Die ausbleibende Nordarmee unter Bernadotte und der unklare Standort der französischen Armee hatte das Hauptquartier der Schlesischen Armee bewogen, zwei Korps in Richtung Düben marschieren zu lassen :
So konnten sich am 16. Oktober nur das preußische unter Yorck und das russische unter Langeron an der Schlacht im Norden Leipzigs beteiligen die hauptsächlich um das stark befestigte Möckern geführt wurde.

Infolge einer Gefechtslücke zwischen den beiden Korps der Verbündeten stand Yorck bei der Erstürmung des Dorfes mit seinen 21.000 den 19.500 Mann unter Marmont in guter Verteidigungsstellung allein gegenüber.

Nach fünfmaligem Angriff brachte endlich der geschlossene Einsatz
der preußischen Kavallerie den Verbündeten den Sieg.
August Wilhelm Antonius Graf Neidhardt von Gneisenau, preußischer Generalfeldmarschall und Heeresreformer, als Blüchers Stabschef wesentlichen Anteil am Sieg bei Waterloo. Bildquelle: wikipedia_org


Als Ganzes betrachtet, waren die Kämpfe des 16. Oktobers 1813 nach der Schlacht bei Borodino 1812 westlich von Moskau die blutigsten und die verlustreichsten des Jahrhunderts. 38.000 Tote und Verwundete, 2.000 Gefangene hatten die Verbündeten zu beklagen; 23.000 Tote und Verwundete und 2.500 Gefangene die Franzosen.

Doch der Verlauf der Völkerschlacht wurde hier bereits entschieden : Ein Sieg Napoleons wurde verhindert, und die heranrücken-den Reservearmeen der Verbündeten mußten den weiteren Gang der Schlacht zu ihren Gunsten entscheidend beeinflussen.




Die Entscheidungsschlacht am 18. Oktober 1813


Nach der Waffenruhe am Sonntag (17.Okt.), die den verlustreichen Schlachten des 16. Oktober gefolgt war und in der sich Napoleon nicht zum Rückzug entschloss, sondern über den im Pleißegebiet gefangenen General Merveldt vergeblich versuchte, zu diplomatischen Verhandlungen mit den Verbündeten zu kommen, begannen nun die Kämpfe erneut, allerdings von Napoleon nur noch als reine Verteidigungsschlachten geführt.

Graf Levin (Leontij Leontevic) August Theophil von Bennigsen, deutscher Herkunft und General der russischen Armee. Bildquelle: wikipedia_org Den letzten Reserven Napoleons von 17.000 Mann aus der Dübener Gegend standen die russische Reservearmee Bennigsen mit 35.000, die österreichischen Armeeabteilungen Bubna mit 10.000 und Colloredo mit 20.000 Mann als frische Kräfte gegenüber.


Die Rückzugsstraße über Lindenau durch die Junge Garde unter Mortier gesichert, marschierte das Korps Bertrand nach Weißenfels; so besaß Napoleon noch insgesamt 160.000 Mann - darunter 30.000 Reiter - mit 630 Ge-schützen.

Nach einer Frontverkürzung und bei guter Ausnutzung des Geländes konnte der französische Kaiser die Stadt Leipzig nahezu ringsum sichern :
Der rechte Flügel unter Murat hatte die Stellung an das Sumpfgebiet zwischen Elster und Pleiße angelehnt und verlief über Connewitz, Lößnig, Dölitz bis Probstheida.
Er wurde von drei anderen dahinter stehenden Korps und der letzten Reserve Napoleons gesichert, der sich die Quandtsche Tabaksmühle zu seinem Hauptquartier gewählt hatte.

Das Zentrum unter Macdonald hielt die Linie Zuckelhausen-Holzhausen-Zweinaundorf-Mölkau, während sich der linke Flügel unter Marschall Ney von Paunsdorf über Schönefeld bis zur Partheniederung hinzog.

Die Hallische Vorstadt und das Gebiet rechts der Pleiße bis Gohlis besetzten die Divisionen Dombrowski und die Kavallerie-Division Lorge.
Michail Bogdanowitsch (Michael Andreas) Barclay de Tolly, russischer General und Kriegsminister. Bildquelle: wikipedia_org

Die Truppen der Verbündeten hatten folgende Aufstellung genommen, die ihre Angriffsrichtungen bestimmten :
  • Die 1. Kolonne (50.000 Mann starke österreichische Truppen unter Hessen-Homburg) sollte von Markkleeberg aus in Richtung Leipzig vorstoßen;


  • die 2. Kolonne (50.000 Russen und Preußen unter Barclay de Tolly) sollte von Güldengossa aus in Wachau und Liebertwolkwitz Stellung beziehen und von dort aus das französische Zentrum in Probstheida angreifen;


  • die 3. Kolonne (65.000 Mann unter Bennigsen) sollte in Richtung Zuckelhausen-Holzhausen vorstoßen;


  • die 4. Kolonne (95.000 Mann unter Bernadotte) sollte von Mockau bzw. Taucha aus in Richtung Paunsdorf-Schönefeld vorgehen, während


  • die 5. Kolonne (etwa 25.000 Mann unter Blücher) vom Norden aus zur Hallischen Vorstadt gelangen und


  • die 6. Kolonne mit etwa 20.000 Mann von Kleinzschocher aus Lindenau besetzen sollte.
Insgesamt standen die Verbündeten mit 305.000 Mann und 1.200 Geschützen bereit - das war nahezu das doppel-te, über das die napoleonische Armee noch verfügte.


Charles-Nicolas Oudinot, Herzog von Reggio, Marschall von Frankreich. Bildquelle: wikipedia_org Friedrich Joseph Ludwig Karl August Erbprinz zu Hessen-Homburg, General der Kavallerie. Bildquelle: unbek.
Zunächst marschierte die 1. Kolonne los.

Die österreichischen Truppen unter Erbprinz Friedrich von Hessen-Homburg
fanden Wachau von den Franzosen geräumt und griffen in Richtung Dösen weiter an. Dabei konnten sie Dölitz und Lößnig erobern, Dösen und die Schäferei Meusdorf besetzen.

Ein starker Gegenangriff der jungen Garde unter Oudinot und eine Abteilung alte Garde konnten Dölitz und Dösen wieder den Franzosen zurückerobern.

Der Höchstkommandierende Schwarzenberg rief das russische Grenadierkorps Rajewski zu Hilfe und befahl außerdem der 3. österreichischen Armeeabteilung unter Gyulai, die sich mit der 6. Kolonne von Kleinzschocher aus in Richtung Lindenau bewegte, nach Cröbern zu marschieren.

Ohne daß diese marschierenden Truppen aktiv in das südliche Kampfgeschehen eingreifen konnten wurde damit die französische Rückzugsstraße geräumt.

Napoleon sicherte unter Einsatz seiner Garde die strategisch sehr wichtige Linie Connewitz-Probstheida, während die Verbündeten nach mehreren wechselvollen Kämpfen Dösen, Dölitz und auch Lößnig wieder erobern konnten.

Comte Antoine Drouot, General d'Artillerie Francais. Bildquelle: wikipedia_org

Die 2. Kolonne unter dem russischen General Barclay de Tolly setzte sich von Güldengossa aus in Marsch, links das aus preußischen und russischen Truppen bestehende Korps Kleist, rechts das russische Korps unter Eugen von Württemberg, in der Mitte von starken russischen und preußischen Reserven gefolgt.

Durch das geräumte Liebertwolkwitz gelangte diese Kolonne rasch bis vor Probstheida, zur Schlüsselstellung Napoleons. Um sie zu halten, leitete der französische Kaiser selbst die Verteidigung dieses kleinen, stark befestigten Dorfes hinter dem sich die Kavallerie unter Drouot aufgebaut hatte.

In dem blutigen Kampf um Probstheida waren wiederum in zwei schweren Angriffen nur die preußisch-russischen Verbündeten unter Barclay und Eugen von Württemberg eingesetzt worden.

Die hinter dem Monarchenhügel bei Meusdorf stehenden starke preußischen und russischen Reserven mußten tatenlos zusehen.


Etienne Jacques Joseph Alexandre Macdonald, Herzog von Tarent, General und Marschall von Frankreich. Bildquelle: wikipedia_org Der 3. Kolonne als der stärksten Hauptarmee unter dem Befehl des russischen Generals von Bennigsen wurden ungeheure Marsch-leistungen abverlangt :

Bereits 3 Uhr morgens mußten sie von Machern aufbrechen, um bei Kampfbeginn den linken Flügel der französischen Verteidigung von rechts umfassen, gleichzeitig die gesamte nordöstliche Stellung der Ver-bündeten zwischen Liebertwolkwitz und Paunsdorf sichern und die Verbindung zur heranrückenden Nordarmee und Schlesischen Armee herstellen zu können, was ihnen am Vorwerk Heiterblick gelang.

Vor allem das vorgeschobene französische Zentrum unter Macdonald, das noch in der Nacht den Kolmberg besetzt gehalten hatte und jetzt die Linie Zuckelhausen-Holzhausen hielt, wurde von der 3. Kolonne an-gegriffen und durchbrochen.
Ferdinand Graf von Bubna und Littitz, österreichischer Feldmarschall-Leutnant. Bildquelle: unbek.Johann Graf von Klenau, Freiherr von Janowitz, österreichischer General. Bildquelle: wikipedia_org
Dabei bildete Bennigsen vier Gruppen :

Links die preußische Brigade Ziethen,
daneben Österreicher unter Klenau,
russische Verbände unter Duchturow und Stroganow,
am weitesten rechts die österreichische Division Bubna.

Nachdem die beiden Orte Zuckelhausen und Holzhausen von den Verbündeten besetzt worden waren, eroberten sie den strategisch wichtigen Steinberg, um hier starke österreichische Artillerie aufzustellen.
Von der Division Bubna konnte Paunsdorf erobert werden, das aber in wechselvollen Kämpfen wieder verloren ging, da die Nordarmee nicht rechtzeitig anlangte.

Friedrich Wilhelm Freiherr von Bülow, Graf von Dennewitz, preußischer General. Bildquelle: wikipedia_org Nach dem Eintreffen deren preußischer Vorhut unter Bülow konnte Bennigsen die Österreicher später mit zum Angriff auf Mölkau und Zweinaundorf einsetzen, wo kurz zuvor etwa 3.000 Sachsen zu den Verbündeten übergegangen wa-ren. Die beiden Dörfer mußten die Franzosen schließlich verlassen, doch um Stötteritz wurde bis zum Abend erbittert gekämpft.
Ferdinand Freiherr von Wintzingerode, deutscher Adliger und Offizier in verschiedenen Heeren, zuletzt General der russischen Armee. Bildquelle: wikipedia_org


Von der 4. Kolonne kamen nur zwei Divisionen vom preußischen Korps Bülow zum Einsatz, dazu später die Kavallerie des russischen Korps Wintzingerode.

Die Nordarmee selbst griff kaum in das Kampfgeschehen ein, da sie sich nur zögernd von Taucha aus in Richtung Leipzig bewegte.

Im Mittelpunkt der Kämpfe im Norden der Stadt stand Schönefeld, die zweite französische Schlüsselstellung neben Probstheida.

Trotz des Einsatzes seiner letzten Reserven mußte Napoleon nach wechselvollen Kämpfen das Dorf räumen und bis zur Rietzschke zurückgehen.

Weiter südlich konnte Paunsdorf, Seller-hausen und Stünz erobert werden.


Karl XIV. Johann (geb. als Jean-Baptiste Bernadotte), französischer Kriegsminister, Marschall von Frankreich, Fürst von Ponte Corvo, Oberbefehlshaber der alliierten Nordarmee gegen Napoleon (später König von Schweden). Bildquelle: wikipedia_org
Die Korps der Schlesischen Armee - diesmal unter Bernadotte - trugen mit der Eroberung Schönefelds (wie auch bei der Schlacht von Möckern) ge-wichtig zum Sieg der Verbündeten bei.
Sie erzwangen Napoleons Entschluß zum Rückzug.
Fabian Gottlieb Fürst von der Osten-Sacken, General der Infanterie, Feldmarschall der russischen Armee. Bildquelle: wikipedia_org




Von der 5. Kolonne unter Blücher, die am 18. Oktober nur noch über zwei Korps verfügte, nahm das russische Korps Sacken seine Angriffsrichtung auf das Vorwerk Pfaffendorf und das Rosental, doch ohne Erfolg.


Das stark geschwächte Korps Yorck hatte zwischen Möckern und Wahren Stellung bezogen, von der es in einem Nachtmarsch nach Halle zur Ver-folgung des zurückziehenden französischen Heeres antrat.









Hans David Ludwig Yorck von Wartenburg, preußischer Generalfeldmarschall. Bildquelle: wikipedia_org
Die 6. Kolonne, deren Einsatz in Lindenau zur Sperrung des französischen Rückzugs hätte von Bedeutung für die Zerschlagung der napoleonischen Armee werden können, wurde durch Schwarzenbergs Befehl vom Kampfgeschehen zurückgehalten.

Dies ermöglichte den französischen Truppen einen ungehinderten Rückzug - unterstützt durch die noch immer von ihnen gehaltene Linie Connewitz-Probstheida-Stötteritz.




Links :
"Napoleon Bonaparte mit Marschall Poniatowski bei Stötteritz" (Quelle: wikipedia_org)




Die Eroberung der Stadt Leipzig am 19. Oktober 1813


Obwohl Napoleon bereits am Vortage mit dem Rückzug begonnen hatte, befahl Schwarzenberg nicht, die geschlagene französische Armee zu verfolgen und endgültig zu vernichten, sondern die Stadt Leipzig zu erobern.

Leipzig zur Zeit der Völkerschlacht 1813
Eine größere Bildansicht erscheint hier.
Da der Sturmangriff der Verbündeten erst ziemlich spät erfolgte, konnte Napoleon nach der Frontverkürzung in der Nacht seine neue Verteidigungsstellung ausbauen und durch die sich hinziehenden Kampfhandlungen seinen Truppen des Rückzug sichern.

Unter Verwendung der äußeren Stadttore umschloß er die Stadt vom Münztor am Floßgraben im Süden bis zum Äußeren Hallischen Tor im Norden. Daneben bezogen die Truppen unter Dombrowski zwischen der Weißen Elster und der Pleiße in Richters Garten Stellung.
Die rund 30.000 zur Verteidigung eingesetzten Mann bestanden fast aussschließlich aus Rheinbundtruppen und Truppen anderer Hilfsvölker. Zum Stadtkommandanten hatte der Kaiser den badischen Grafen von Hochberg eingesetzt.

Der sächsische König bleib auch angesichts der Flucht Napoleons auf dessen Seite und weigerte sich, seine Truppen aus dem Kampf (gegen die Verbündeten) zurückzuziehen, da er sie dem Kaiser überwiesen hatte.


Beim Sturm auf Leipzig kamen nur drei Armeekorps der verbündeten voll zum Einsatz :

die Russen, ohne die Österreicher, unter Bennigsen von Südosten gegen die Truppen Poniatowskis und Macdonalds, die Preußen unter Bülow von Osten gegen die Truppen Marmonts und im Norden das russische Korps Sacken gegen die Truppen Duruttes.

Blücher leitete die Kämpfe im Norden der Stadt.
Die Parthebrücke am Äußeren Hallischen Tor wurde heftig umkämpft. Erst gegen Mittag konnte das Hallische Tor an der eigentlichen Stadtgrenze erreicht werden.

Da trafen auch die anderen Verbündeten auf den inneren, zweiten Verteidigungsring der Franzosen :
durch das Hospitaltor das russische Korps Wintzingerode, durch das Windmühlentor bis zum Roßplatz der Hauptteil der russischen Reservearmee Bennigsen.

Noch während der Kämpfe in der Innenstadt wurde die Brücke über dem Elstermühlgraben vorzeitig in die Luft gesprengt, so daß sich die Franzosen selbst um den einzigen Fluchtweg gebracht hatten :
entweder sie durchschwammen das Wasser oder gingen in Gefangenschaft.

Bevor die letzten Kämpfe in den Gärten des linken Pleißeufers und auf dem Fleischerplatz beendet waren, feierten die Heerführer der Verbündeten auf dem Marktplatz Leipzigs den Sieg über Napoleon.


Quellennachweis :
- "Völkerschlachtdenkmal Leipzig" Tourist Verlag Berlin, Leipzig 1977
- freie Enzyklopädie "www_wikipedia_de"
www-itoja-de, 11-2007