Das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig - ein weltbekanntes Wahrzeichen der Stadt



[Noch vor dem Jahr 2013 (200. Jahrestag der Völkerschlacht) soll die Restauration beendet und damit die Baugerüste verschwunden sein.]


[Beginn der Zitate]

Zur Entstehungsgeschichte des Denkmals

Wohin auch immer die Kunde vom Ausgang der Völkerschlacht gelangte, mischte sich in die Begeisterung über den gemeinsamen Sieg der Verbündeten auch der Schmerz um die gewaltigen Opfer, die diese Schlacht forderte. Und trotz der Not, die die Jahre der napoleonischen Herrschaft über die deutschen Länder gebracht hatten, wollte man den Helden für die Befreiung vom Joch der Fremdherrschaft danken und ihrer in würdiger Form gedenken. Das dies nur auf dem Schauplatz der Völkerschlacht geschehen könnte, darüber gab es von Anfang an Einigkeit. Doch von den ersten Ideen zur Errichtung eines Denkmals unmittelbar nach der Schlacht bis zur Vollendung des Baues ging ein volles Jahrhundert ins Land.

Die ersten Vorschläge
Als erster vertrat der Verleger Friedrich Arnold Brockhaus in den "Deutschen Blättern" die Idee eines Völkerschlachtdenkmals: Man sollte "auf den blutgetränkten und sieggekrönten Blachfeldern um Leipzig ein würdiges und dauerhaftes Siegesmal errichten".

Ernst Moritz Arndt führte in seinem Aufsatz "Über ein Denkmal bei Leipzig", den er wenige Wochen vor dem ersten Jahrestag der Völkerschlacht veröffentlichte, u.a. aus :
"Daß auf den Feldern bei Leipzig ein Ehrenmal errichtet werden muß, was dem spätesten Enkel noch sage, was daselbst im Oktober des Jahres 1813 geschehen, darüber ist in ganz Teutschland, ja wohl fast in der ganzen Welt nur eine Stimme. Aber wie und in welcher Art dieses Denkmal errichtet werden soll, darüber werden die Stimmen gewiß ebenso verschieden lauten, als sie über das erste einig sind. Ein kleines unscheinbares Denkmal, das sich gegen die Natur umher in nichts gleichen kann, thut es nicht; ein zierliches und blankes, etwa in Leipzig selbst auf irgendeinem Platz hingestellt, würde in seiner Armseeligkeit von der großen That, wodurch die Welt von dem abscheulichsten aller Tyrannen ... befreit ward, zu sehr beschämt werden. Das Denkmal muß draußen stehen, wo so viel Blut floß; es muß so stehen, daß es ringsum von allen Straßen gesehen werden kann, auf welchen die verbündeten Heere zur blutigen Schlacht der Entscheidung heranzogen. Soll es gesehen werden, so muß es groß und herrlich seyn, wie ein Koloß, eine Pyramide, ein Dom in Köln.
Aber solches in großer Kraft und in großem Sinn zu bauen, fehlt uns das Geld und das Geschick, und ich fürchte, wenn man bei kleinen Mitteln etwas Ähnliches machen will, kömmt etwas Erbärmliches heraus. Ich schlage daher etwas ganz Einfaches und Ausführliches vor, ein Denkmal wobei die Kunst keine Äffereien anbringen und wogegen unser nordischer, allen Denkmälern so feindseliger Himmel nichts ausrichten kann. Ich befehlige einige tausend Soldaten oder Bauern in die Ebene von Leipzig hin und lasse sie in der Mitte des meilenlangen Schlachtfeldes einen Erdhügel von 200 Fuß Höhe auftürmen. Auf den Erdhügel werden Feldsteine gewälzt, und über dieses wird ein kolossales, aus Eisen gegossenes und mit mancherlei Anspielungen und Zeichen geziertes Kreuz errichtet, das Zeichen des Heils und der Herrscher des neuen Erdballes. Das Kreuz trägt eine große vergoldete Kugel, die weit in die Ferne leuchtet. Das Land rings um den Hügel, etwa 10 bis 15 Morgen weit, wird für ein geheiligtes Land erklärt, mit Wall und Graben eingefaßt und mit Eichen beflanzt ..."
Eine Vielzahl von Vorschlägen und Entwürfen zur Errichtung eines Denkmals der Völkerschlacht war entstanden, jedoch nicht ausgeführt worden. Die Spitzen der herrschenden Feudalklasse hatten wenig Interesse an einer Würdigung der Taten der Volksmassen und des nationalen Charakters der Völkerschlacht. Ihnen war nur daran gelegen, ihr eigenes Ansehen, das durch ihr Verhalten unter napoleonischen Fremdherrschaft gelitten hatte (so hatte der sächsische König bis zuletzt auf der Seite Napoleons gestanden und seine Soldaten bis zum 18. Okt. von der Teilnahme am Kampf gegen den Eroberer abgehalten), wieder aufzufrischen.


Die Bemühungen von Seckendorffs

Bereits 1814 veröffentlichte Freiherr Adolf Chr. von Seckendorff auf Zingst bei Querfurt in seiner mit vier Kupferstichen ausgestatteten Schrift "Die Resultate meines Plans, der Völkerschlacht bei Leipzig ein Denkmal zu setzen" eine Reihe von Denkmalsentwürfen und Vorschlägen zur Erlangung der Mittel zu deren Ausführung. Was da zusammengetragen worden war, übertraf Arndts Befürchtungen noch bei weitem : Alle Entwürfe waren unscheinbare Denkmäler, Erinnerungsmale wie viele andere aus weit unbedeutenderen Anlässen; kein einziger wurde der Größe der Völkerschlacht gerecht.

Seckendorff selbst hatte einen Entwurf dem in Dresden residierenden sächsischen Generalgouvernement unter der Leitung des russischen Fürsten Repnin eingesandt :
Auf dem Monarchenhügel, auf dem die drei Monarchen der Verbündeten auf die Knie gesunken sein und ihrem Gott für den Sieg gedankt haben sollen, wollte er über einem Fundament aus Feldsteinen und einem quadratischen Unterbau einen Würfel errichten, dessen viergiebeliges, eisernes Dach eine eiserne Kugel tragen sollte, geschmückt mit einem inschriftverzierten goldenen Reifen : "Frohe Aussicht für die Nachwelt".
Seckendorff erhielt von Repnin die Erlaubnis, auf dem Hügel bei Meusdorf ein Denkmal zu errichten; allerdings machte ihn der russische Fürst darauf aufmerksam, daß jener "Heilige Augenblick" niemals stattgefunden habe. Diese Legende hatte sich nach dem siegreichen Ausgang der Schlacht überall verbreitet und war auch künstlerisch gestaltet worden, u.a. von dem Leipziger Künstler Georg Emanuel Opiz.

Am 1. Mai 1814 machte Seckendorff in den "Leipziger Zeitungen" die Öffentlichkeit mit seinem Vorhaben bekannt, ohne seinen eigenen Plan zu erwähnen. Er forderte alle deutschen Patrioten auf, sich Gedanken zu seinem Völkerschlachtdenkmal zu machen und sie ihm bekanntzugeben.
Verschiedene der eigegangenen Vorschläge befaßten sich nicht mit der Errichtung eines Denkmals, sondern mit Waisenhäusern oder Stiftungen zur Unterstützung der Armen und durch den Krieg obdachlos Gewordenen; dazu kam ein Vorschlag zur Errichtung eines deutschen Sprachreinigungsvereins, da jetzt das deutsche Land "von fremdländischen Einflüssen" bewahrt bleiben müsse.

Von den plastischen Vorschlägen waren die meisten ebenfalls undurchführbar :

Einer
sah den Grundgedanken der Völkerschlacht in der strafenden Nemesis, der griechischen Rachegöttin, und wollte daher das Schwert der Nemesis in Form eines riesigen altdeutschen geflammten Schwertes als Hauptbestandteil eines Denkmals gestaltet wissen : gegossen aus feindlichen Kanonen, sollte es mit dem Griff nach oben in einem kleineren Würfel stecken, der auf einem größeren, mit Sinnbildern und Inschriften verzierten ruhen sollte. (Auf der Vorderseite : "Die Weltgeschichte ist das Weltgericht.")

Ein anderer
wollte auf einem Platz in der Innenstadt Leipzigs die drei siegreichen Monarchen als Gruppe gestalten, gekrönt von einer Viktoria; die vier Seiten des Sockels sollten Reliefs schmücken.

Ähnliches schwebte einem vor,
der einen auf einem Würfel gestellten Obelisken oder eine Pyramide als Denkmal sehen wollte, auf dem die Bildnisse der verbündeten Monarchen in Eisen gegossen oder in weißem Marmor gestaltet werden sollten; das Denkmal sollte eine lateinische Inschrift tragen und von Linden oder Pappeln umgeben sein.

Wieder ein anderer
wollte den Gedanken des Glaubens, der in der Völkerschlacht den Verbündeten in gemeinsamer Religion gemeinsamen Sieg gebracht hätte, an einem riesigen Kreuz zum Ausdruck gebracht wissen.


Noch bevor alle Vorschläge bei ihm eingegangen waren, hatte Seckendorff seinen eigenen am 11. Mai 1814 in den "Leipziger Zeitungen" veröffentlicht und dabei die deutschen Patrioten aufgefordert, die vorliegenden Einsendungen zu prüfen und ihre Geldbeträge zu nennen. Bis auf 10 Taler blieb Seckendorffs Aufruf ohne Erfolg. Hinzu kam der Lokalpatriotismus der Leipziger, die sich übergangen fühlten und unmittelbar neben dem Denkmal Seckendorffs, falls es zustande käme, ein viel größeres errichten wollten.

Schließlich wurde Seckendorffs Plan in den von Brockhaus herausgegebenen "Deutschen Blättern" (Nr. 152) angegriffen; es sei weder Sache "eines dunklen Privatmannes", ein Denkmal zu errichten, noch jetzt an der Zeit dazu; denn "noch liegen die Wohnungen unseres Landmannes in Schutt und Asche, noch irren tausend Waisen unversorgt in alle Provinzen des unglücklichen Sachsenlandes, noch werden aller Orten die Folgen des Krieges schmerzlich empfunden".
Seckendorff zog sich gekränkt zurück und legte vor der Öffentlichkeit in seiner oben erwähnten Schrift Bekenntnis ab von seinen Bemühungen, in der Hoffnung, "doch vor allem die Bahn gebrochen" zu haben, "daß etwas Großes nun zustande kommen wird".


Der Lustspieldichter August von Kotzebue, dessen Ermordung durch den Burschenschaftler Karl Land 1819 zum Anlaß des Verbots der studentischen patriotischen Bewegung genommen wurde, schlug im "Hamburger Correspondenten" (Nr. 55) vor, die seit der Römerzeit im Odenwald unweit Reichenbachs liegenden 31 Fuß lange und 4 Fuß starke Granitsäule auf dem Leipziger Schlachtfeld zu errichten, als "ein Denkmal, verfertigt von den ersten Unterjochern der Deutschen, aufgestellt zur Erinnerung an den herrlichen Sieg über den letzten Unterjocher der Deutschen". Zweifel an der historischen Echtheit dieser Säule ließen auch diesen Vorschlag nicht zur Ausführung gelangen.

Ihn aufgreifend, wandte sich ein Leipziger ungenannter Künstler, der sich schon seit längerer Zeit mit einem Denkmalsplan befaßte, an Seckendorff :
Man sollte diese Römersäule aus dem Odenwald so bearbeiten, daß ihr Schaft als ein Bund riesiger Lanzen erschiene, aus deren Spitzen ein mächtiges Kreuz anfange, und sie auf einen von aneinandergeketteten Kanonenläufen umringten Würfel stellen, der auf dem Platz der Quandtschen Tabaksmühle zu errichten sei, an der Stelle von Napoleons Hauptquartier während der Entscheidungsschlacht.


Vorschläge berühmter Bildhauer und Architekten

Als einer der ersten namhaften Künstler veröffentlichte Johann Heinrich Dannecker im Juli 1814 den Plan eines Völkerschlachtdenkmals : Eine granitene Ehrensäule auf weitem Platz trägt "eine männliche Figur in der reichsten Lebensfülle, mit einer Löwenhaut bekleidet". Sich links auf zusammengebundene Stäbe stützend und in der Rechten ein Schwert und den Ölzweig haltend, symbolisiert die Figur die "Kraft, die durch die Einigkeit den Frieden erkämpft hat"; zwei große, am Fuße der mit Bildnissen der verbündeten Herrscher und Inschriften geschmückten Säule sitzenden Figuren verkörpern die bewaffnete Staatsgewalt und die allgemeine Glückseeligkeit der Länder.

Im gleichen Jahr wie der württembergische Bildhauer Dannecker übergab der badische Architekt Friedrich Weinbrenner seinen Entwurf der Öffentlichkeit; die Ausführungszeit dieses Völkerschlacht-National-Denkmals wurde auf 10 Jahre und dessen Kosten auf rund 4 bis 6 Mill. Taler veranschlagt. Entwurf für ein Völkerschlachtdenkmal von Weinbrenner 1814
Auf einem mächtigen quadratischen Unterbau von 200 Fuß Breite und 50 Fuß Höhe in Gestalt einer gotischen Festung, dessen äußere Seiten ein riesiges Relief der gewaltigen Schlacht bei Leipzig schmückt, erhebt sich ein ebenfalls quadratischer Tempel von 100 Fuß Höhe und Breite. Das treppenartig angelegte Dach ziert ein Viergespann mit einem Triumpfwagen, in dem drei weibliche Figuren sitzen, Liebe, Weisheit und Stärke verkörpernd, über die eine Viktoria einen Lorbeerkranz hält.
Durch den Unterbau des Weinbrennerschen Denkmals führen von den als Triumpfbögen für die siegreichen verbündeten Armeen gestalteten Eingängen zwei Straßen, an deren Kreuzungspunkt sich das Standbild der Germania erhebt. ("Angestrahlt von dem unerwarteten Licht, das durch die Öffnungen dringt, ist sie im Begriff aufzustehen. Mit der Linken hebt sie schüchtern den Trauschleier, der über ihrem Antlitz hing, und läßt mit der Rechten den unter dem Schleier verborgen gehaltenen Reichsapfel hell erschrocken wieder als selbständiges Wesen hervorblicken.")
Vom Unterbau aus führen acht Gänge aufwärts in die darüberliegende Tempelhalle und die sie umschließende, mit Schießscharten versehene Brustwehr auf der Plattform. In der Mitte des Tempels ist ein von vier Palmen überdachter Altar aufgebaut, auf den aus jeweils fünf Nischen der halbkreisförmig angelegten Seiten Bildnisse der verbündeten Staatsmänner und Offiziere blicken (insgesamt 19; durch die 20. geht der Haupteingang), während die äußeren vier dorischen Säulenhallen Ehrentafeln für die gefallenen Helden zieren. Von den Ecken führen vier mit Kriegstrophäen geschmückte Treppenhäuser auf das Dach des Tempels, von dem sich ein weiter Rundblick bietet. Das ganze Bauwerk sollte in Granit und die Skulpturen sollten in Marmor ausgeführt werden - es ist daher kein Wunder, daß dieser Plan unter den damaligen Verhältnissen nicht verwirklicht werden konnte.

Ähnlich gewaltige Ausmaße trug eine 1816 veröffentlichte Skizze vom damals berühmtesten deutschen Baumeister, Kral Friedrich Schinkel : Sein für Berlin gedachter gotischer Nationalturm zeigt einen himmelanstrebenden Turmbau und ein relativ niedriges, mit gotischen Motiven reich geschmücktes Schiff mit einem mächtigen kuppelgekrönten Chor nebst Kapellenanbauten als Abschluß.
Den Gedanken einer Kirche, eines "Domes aller Deutschen" "auf dem Schlachtfelde", hatte bereits zwei Jahre früher der Hamburger Politiker Karl Sieveking ausgesprochen.

Auch der "Entwurf eines zum Andenken der Schlacht von Leipzig zu errichtenden (nicht Sieges-, sondern) Totenmonuments" sah die Errichtung einer gotischen Kapelle in Form eines lateinischen Kreuzes mit einem Turm über der Vierung auf dem Monarchenhügel vor. Seine Urheber, der russische Generalkonsul in Leipzig, Staatsrat von Freygang, der als Geschichtsschreiber der Völkerschlacht bekannt gewordene Major Aster und der Leipziger Kunsthistoriker und Ratsherr Dr. Stieglitz, wollten ihr Ehrenmal, dessen Entwurf sie mit zwei lithographierten Zeichnungen herausbrachten, dem "Andenken der drei verewigten Oberfeldherren der Alliierten und aller auf dem Schlachtfeld von Leipzig Gefallenen" widmen.


Weitere Denkmäler an Stellen der Schlachtfelder

Die überall herrschende Not, das - von einigen Ausnahmen abgesehen - künstlerische Unvermögen und nicht zuletzt die tiefe Enttäuschung über die politische Entwicklung in den deutschen Ländern ließen den Gedanken an ein Zeichen zur Erinnerung an die Schlacht allmählich zurücktreten; doch ganz zum Erlöschen kam er nicht.
Bereits zum ersten Jahrestag der Völkerschlacht konstituierte sich in Leipzig, wo die Erinnerung naturgemäß stärker als in anderen Teilen des deutschen Landes blieb, ein "Verein zur Feier des 19. Oktober", der bis 1827 bestand und dann ab 1843 seine Tätigkeit wieder aufnahm. Eines der praktischen Ziele des Vereins war die Kennzeichnung historisch bedeutsamer Stellen des Schlachtfeldes durch einfache Gedenksteine; im Oktober 1863 war das letzte der sieben geplanten Denkmäler errichtet, damit die eigentliche Aufgabe des Vereins abgeschlossen.

1908 übernahm der Rat der Stadt Leipzig diese Gedenkstätten, um "die vertrauten Erinnerungszeichen an eine denkwürdige Zeit" zu bewahren :

Das Monarchenhügel-Denkmal in Leipzig-Meusdorf, stadtauswärts ca. 50 m links der Straßenlinie. Das Monarchenhügel-Denkmal in Leipzig-Meusdorf, stadtauswärts ca. 50 m links der Straßenlinie.
"Hier verweilten
in der Schlacht bei Leipzig am 18. Oktober 1813
die verbŁndeten Monarchen
KAISER FRANZ I. / von OESTERREICH
KAISER ALEXANDER / von RUSSLAND
KOENIG FRIEDRICH WILHELM III. / von PREUSSEN
und waren Zeugen
der ausserordentlichen Tapferkeit ihrer Truppen."

"Monarchenhügel-Denkmal" Leipzig-MeusdorfFotos: www-itoja-de, Nov.2007 


Die restlichen 6 sowie weitere interessante Denkmäler und Denksteine an Gefechtsplätzen in und um Leipzig habe ich hier dargestellt.



Pläne anläßlich der Jubiläumsfeiern der Völkerschlacht

Neben diesen vom "Verein zur Feier des 19. Oktobers" errichteten Denkmälern und einer ganzen Reihe anderer Gedächtnisstätten fehlte doch ein der Größe des damaligen Geschehens angemessenes monumentales Mal in der Art des von Ernst Moritz Arndt 1814 geforderten.
Zum 50. Jahrestag der Völkerschlacht erinnerte man sich der Verpflichtung; der Plan zur Errichtung eines Völkerschlachtdenkmals wurde von neuem aufgegriffen, und am 19. Oktober 1863 legten 540 Vertreter von 240 deutschen Städten im Beisein von 1.400 Mitstreitern des Jahres 1813 und zehntausenden deutscher Patrioten den Grundstein zu einem "großartigen Nationaldenkmale" :
Etwa 800 Meter nördlich des heutigen Standorts, auf der Höhe bei Stötteritz, übergab man der Erde zwei riesige Fundamentsteine und bildete folgenden Tags einen Ausschuß von 23 Städten, der das Ziel hatte, "die Errichtung eines Denkmals der Völkerschlacht ins Werk zu setzen". Doch die Begeisterung, die besonders in der Festrede des damaligen Leipziger Oberbürgermeisters Dr. Koch zum Ausdruck kam, hielt nicht lange an; das Vorhaben wurde nicht ausgeführt, da man einmal weder einen anerkannten Plan noch die Mittel besaß oder an deren Beschaffung gedacht hatte und zum anderen die folgenden drei Kriege diese Aufgabe in den Hintergrund drängten.

Die beiden erhaltenen Entwürfe aus den Jahren 1863 und 1864, die jeweils die "Illustrierte Zeitung" veröffentlichte und damit einen Wettbewerb anregte (ohne freilich Erfolg zu haben), stammten einmal von dem Berliner Prof. Hermann Schievelbein und zum anderen von einem unbekannten Münchner Künstler.
Der Schievelbeinsche Entwurf von 1863 zeigt eine auf breitem, rundem Podest stehende sich nach oben verjüngende Säule, um die stufenweise unzählige Figuren aus der Geschichte der Völkerschlacht und der Allegorie gruppiert sind. Auf dem 1864 veröffentlichten Entwurf des Münchner Künstlers bildet ein wuchtiges gequadertes Fünfeck mit Reiterstandbildern das Fundament für eine mächtige, reliefverzierte Säule, die ein Rundtempel antiken Stils umgibt. Das figurengeschmückte Dach trägt auf einem die Säule fortsetzenden Sockel einen Siegeswagen mit Dreigespann.

Zur 75-Jahr-Feier versammelten sich erneut Vertreter deutscher Städte in Leipzig, um endlich das Versprechen von 1863 einzulösen. Die "Skizze für ein Denkmal zur Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig i.J. 1813. Am Napoleonstein" der Leipziger Architekten Ludwig und Hülßner zeigt einen größeren architektonisch gestalteten Festplatz, in dessen Mittelpunkt sich auf einem breit angelegten terrassenartigen Fundament ein verzierter Aussichtsturm erhebt, gekrönt von einer Siegesgöttin. Ein Aufruf zu Geldspenden an das deutsche Volk erbrachte nur 19.000 Mark.

Nach der Reichsgründung durch Preußen 1871 wurde vom Rat der Stadt Leipzig erneut Anstrengungen unternommen, Förderer eines Denkmalbaus zu finden. Die Resonanz auf die von Leipzig aus an verschiedene deutsche Städte hinausgegangenen Briefe zeigt deutlich ein Schreiben vom 10. August 1888 des damaligen Oberbürgermeisters von Stuttgart, in dem es hieß, "daß das Unternehmen voraussichtlich gerade in der gegenwärtigen Zeit, in welcher die Frage nach Errichtung von Denkmälern für Kaiser Wilhelm im Vordergrund des Interesses steht, nicht die erforderliche Teilnahme fände".


Die Tätigkeit des Deutschen Patrioten-Bundes

Damit schienen die meisten die Hoffnung auf ein jemals noch erstehendes Ehrenmal für die im Jahr 1813 Gefallenen aufgeben zu müssen. Doch der am 27. April 1894 gegründete "Deutsche Patriotenbund zur Errichtung eines Völkerschlacht-National-Denkmalsbei Leipzig" nahm sich rund 20 Jahre vor der 100-Jahr-Feier des historisch so bedeutsamen Ereignisses der Sache voller Eifer an und führte unter seinem Gründer, dem Leipziger Architekten Clemens Thieme, das Werk trotz aller Schwierigkeiten zu einem guten Ende.

Aus den Fehlern der früheren Versuche lernend, wandten sich Thieme und seine Helfer in erster Linie nicht an Fürsten, Einzelpersonen oder Städte, sie versuchten vielmehr, das ganze Volk anzusprechen. In Aufrufen, Vorträgen und eigens dafür gegründeten Zeitung, den monatlich zweimal erscheinenden "Mitteilungen des Deutschen Patrioten-Bundes", warb der Bund um neue Mitglieder, machte er die Öffentlichkeit mit seinem Vorhaben vertraut. Bereits Ende des Gründungsjahres zählte der Deutsche Patrioten-Bund 42.000 Mitglieder, und zwei Jahre später waren die zur Verfügung stehenden Mittel auf weit über 100.000 Mark angewachsen - aus Einzelspenden, Pfennigsammlungen der Schuljugend und Sammlungen der "nationalen" Vereine. (Ab 1903 kam als laufende Einnahmequelle eine Lotterie hinzu und ab 1909 der Erlös von den öffenlichen Besichtigungen des Denkmals.)
Der Begriff Patriotismus allerdings hatte sich seit 1812/13 wesentlich gewandelt. Bei allem ehrlichen Wollen der Gründer des Patriotenbundes, den Kämpfern ein Ehrenmal zu errichten, sind Züge nationalistischer Überheblichkeit nicht zu übersehen, welche sich dann auch in den Entwürfen für das Denkmal - nicht so stark aber in seiner Ausführung - widerspiegeln.

Denkmalsentwurf von Wilhelm Kreis, Charlottenburg, 1896 Im Herbst 1895 schrieb der Deutsche Patrioten-Bund einen allgemeinen Ideenwettbewerb aus, um die Ansichten über die äußere Form des Denkmals zu klären.

Der Architekt Karl Doflein aus Berlin errang den 1. Preis der Vorkonkurrenz; seine Arbeit wie die Entwürfe der Architekten Bernhard Schade aus Charlottenburg (in 20.000 Exemplaren in ganz Deutschland verbreitet), Ludwig Engel und E. Wenk aus Berlin ließen erkennen, daß ein mächtiges, in die Höhe strebendes Monument, ein Obelisk, eine Pyramide oder ein Turm den Charakter eines Völkerschlachtdenkmals am ehesten träfe.

In diesem Sinne beteiligten sich an dem im Herbst 1896 erlassenen Hauptpreisausschreiben, für das der Rat der Stadt Leipzig 20.000 Mark zur Verfügung gestellt hatte, 72 deutsche Künstler.

Den 1. Preis vergab das Preisrichterkollegium, den neben Baufachleuten und Künstlern auch der damalige Leipziger Oberbürgermeister Dr. Georgi und sein Amtsnachfolger Dr. Tröndlin angehörten, für den "Walküre" genannten Entwurf an den Charlottenburger Architekten Wilhelm Kreis (siehe Abbildung rechts) vor Otto Rieth, Berlin, Spaeth und Usbeck, Berlin, Bruno Schmitz, Cahrlottenburg und Arnold Hartmann, Berlin.

Trotz der Fülle an Vorschägen entsprach keine Arbeit völlig den Vorstellungen Clemens Thiemes und des Deutschen Patrioten-Bundes; der Gedanke eines Völkerschlacht-National-Denkmals wahr ihrer Auffassung nach nicht deutlich genug zum Ausdruck gekommen.

So wurde schließlich der bedeutendste Denkmalsschöpfer des wilhelminischen Kaiserreichs, Prof. Dr.-Ing. Bruno Schmitz (er schuf u.a. das Kyffhäuserdenkmal), mit der Erarbeitung eines neuen Entwurfs nach den Ideen von Clemens Thieme beauftragt.

Früherer Entwurf für das Völkerschlachtdenkmal von Bruno Schmitz





Zusammen mit allen anderen seit 1813 geschaffenen Plänen und Entwürfen (sofern sie zur Verfügung standen) wurde der von Schmitz geschaffene in einem Zelt auf der Sächsisch-Thüringischen Industrie- und Gewerbe-Ausstellung in Leipzig der Öffentlich-keit vorgestellt.

In der 1897 von Dr. Alfred Spitzner, dem 1. Schriftführer des Deutschen Patrioten-Bundes, herausgegebenen Denkschrift wurde der von Bruno Schmitz am 25. Juni des gleichen Jahres überreichte Entwurf "nach dem übereinstimmenden Urteil der Fach- und Tagespresse ... als der endgültige" angesehen und von der Hauptversammlung des Deutschen-Patrioten-Bundes am 18. Oktober 1897 einstimmig angenommen.

Ein Vergleich dieses Entwurfs mit dem 1913 eingeweihten Denkmal macht deutlich, wieviel Änderungen noch während des Baues vorgenommen wurden, bis es der von Ernst Moritz Arndt bereits 1814 geforderten monumentalen Größe und den Vorstellungen seines eigentlichen geistigen Vaters Clemens Thieme entsprach.




Es wäre schon interessant zu wissen, was das alte "Brockhaus Konversationslexikon" von 1894-96 (14. Aufl.)
über den 1894 gegründeten Deutschen Patrioten-Bund schreibt und es ist nur ein Klick weit entfernt.



Die Rolle von Clemens Thieme

Clemens Thieme Der am 13. Mai 1861 in Borna bei Leipzig geborene Clemens Thieme stammte aus einer kleinbürgerlichen Familie und bildete sich auf der Leipziger Baugewerbeschule und auf dem Polytechnikum Dresden ("Technische Universität Dresden" beim Beitritt der DDR zur BRD), zum Architekten aus. In Leipzig gründete er den "Deutschen Patrioten-Bund zur Errichtung eines Völkerschlachtdenkmals" mit dem Ziel, diesen Bau bis zur Hundertjahrfeier der Schlacht 1913 fertigzustellen.
Dieses Vorhaben hatte Clemens Thieme stets vor Augen, auch wenn es um die Verwirklichung wegen der fehlenden finanziellen Mittel oftmals schlecht stand. Er verbürgte sich eine Zeitlang mit seinem Privatvermögen und entledigte sich aller seiner Verpflichtungen, um dieser selbstgewählten Aufgabe seines Lebens gerecht werden zu können. Auf eine eigene künstlerische Gestaltung dieses Denkmals verzichtete er von vornherein, um die damals sehr bekannten Künstler Prof. Dr.-Ing. Bruno Schmitz (1856-1916), Prof. Christian Behrens (1852 - 1905) sowie Prof. Franz Metzner (1870-1919) zu solch einer wirkungsvollen Gesamtleistung zu vereinen, wie wir sie heute im Völkerschlachtdenkmal vor uns haben.

Ein Vergleich dieses Denkmals mit Schmitz' anderen Werken (etwa dem Kyffhäuserdenkmal) läßt doch wesentliche Unterschiede erkennen : Die bei aller Wucht des Leipziger Baus vorherrschende Schlichtheit ist nicht nur auf die beiden Künstler Behrens und Metzner zurückzuführen, die die monumentalen Figuren schufen, sondern auch auf den maßgeblichen Einfluß Clemens Thiemes auf die Bauausführung.
Der späterer Entwurf von Schmitz
Als die Nationalsozialisten die Rolle des bürgerlich-liberalen Thieme zugunsten von Bruno Schmitz als Verherrlicher deutscher Fürsten und Kaiser abwerten wollten, erklärte Clemens Thieme in einem Schreiben vom 27. April 1934 an den Bund Deutscher Architekten: "Schmitz brachte auch 1897 einen Entwurf, der zur öffentlichen Ausstellung gelangte. Dieser Entwurf war jedoch nicht geistiges Eigentum von Schmitz, er war eine direkte Abbildung des Entwurfs eines Schülers der Kunstakademie in Paris ... Um Schmitz nicht in ganz Deutschland und Frankreich als Fälscher bloßzustellen, habe ich und andere Architekten hierzu geschwiegen. Trotz alledem wurde darauf Prof. Schmitz vom Deutschen Patriotenbund zur Errichtung eines Völkerschlachtdenkmals durch mich als Begründer und Vorsitzenden dieses Bundes beauftragt, nach meinen Ideen die Zeichnungen für ein Völkerschlachtdenkmal anzufertigen. Ihm sollten drei Gedanken zugrunde gelegt werden.
Es sollte sein 1. ein Ehrenmal für die gefallenen Helden von 1813, 2. ein Ruhmesmal für das deutsche Volk und 3. ein Mahn- und Wahrzeichen für kommende Geschlechter ... Auch die neuen Zeichnungen entsprachen nicht vollständig meinen Anforderungen und denen des Patriotenbundes. Weder das Ehrenmal für die gefallenen Helden noch das Mahn- und Wahrzeichen für kommende Geschlechter fanden die genügende Betonung. Es wurde auf mein Geheiß die Krypta eingebaut, um so das Ehrenmal für die gefallenen Helden zu schaffen. Sie gab auch dem Innenausbau eine wesentlich bessere Gestaltung ... mußte der von Schmitz geplante obere Aufbau eine wesentlich andere Form durch die Ausschau haltenden Ritter bekommen ..." Am Ende stellte Thieme fest : "Schmitz mußte sich meinem künstlerischen Gestaltungswillen unterordnen, so daß er schließlich zugab, nur noch Zeichner zu sein." Der damals ausgebrochene Streit um die Urheberschaft des Denkmals von dem die Öffentlichkeit kaum etwas erfuhr, zog sich bis zum Tode von Clemens Thieme (1945) hin. Heute ist es nur recht und billig, wenn Bruno Schmitz als der Architekt und Clemens Thieme als der eigentliche Schöpfer des Denkmals gewürdigt werden.



Bau und Einweihung des Völkerschlachtdenkmals

Auf den Tag genau 15 Jahre dauerte der Bau des Denkmals. Der erste Spatenstich erfolgte am 18. Oktober 1998, der Schlußstein ward am 13. Mai 1912 gesetzt, und am 18. Oktober 1913 - zur Hundertjahrfeier der Völkerschlacht - konnte das Denkmal eingeweiht werden.
Dazwischen lag eine Zeit intensiver Arbeit durch relativ wenig Bauarbeiter (im Durchschnitt sollen nur etwa 40 Menschen beim Bau beschäftigt gewesen sein) und mit einer für die damalige Zeit erstaunlich modernen Technik. Über die Arbeitsbedingungen, die Löhne und das Verhältnis zwischen der Leitung des Patriotenbundes als dem Bauherrn und den Bauarbeitern sind keine Angaben überliefert. In der Weiheschrift des Patriotenbundes wird lediglich erwähnt, daß der Bau "ohne wesentlichen Unfall durchgeführt worden" war.

Seine Oberleitung und Überwachung hatte der Architekt Clemens Thieme übernommen, unterstützt vom Leipziger Baumeister Otto Rudolph, der vom Deutschen Patriotenbund zum Bauführer und zum Ausarbeiten der Einzelpläne berufen worden war.

Nur durch Spenden und Lotterien wurde die gewaltige Summe von 6 Millionen Mark zusammengebracht, die der Bau kostete. Der damals imperialistische deutsche Staat gab keinen Pfennig - er gab die Mittel lieber zur Vorbereitung des 1. Weltkrieges aus.
Dagegen stellte die Stadt Leipzig nicht nur das Baugelände von 42.000 m² im Wert von einer halben Million Mark zur Verfügung, sie förderte auch energisch die Anstrengungen des Patriotenbundes und bewilligte alljährlich seit 1899 einen Baukostenzuschuß von 10.000 Mark. Ebenfalls von der Stadt gestiftet wurde die gesamte gärtnerische Anlage im Vorgelände des Denkmals, wodurch der Platz auf 80.000 m² erweitert und damit sein Wert auf eineinhalb Millionen Mark erhöht wurde.

Auf der Straße des 18. Oktober zwischen dem heutigen Denkmalsvorplatz und der Eisenbahnstrecke vor dem Messegelände [Anmerkung: in 2007 "altes Messegelände"] war eine Kampfbahn vorgesehen. Die Ausführung des von Bruno Schmitz 1912 entworfenen Planes nach den Vorstellungen des Deutschen Patrioten-Bundes, der sich seit 1896 mit solch einem Gedanken beschäftigte, verhinderte der 1. Weltkrieg.

Unmittelbar nach dem ersten Spatenstich wurde mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen. Innerhalb von zwei Jahren wurden 82.000 m³ ausgeschachtet und zur Bildung des Erdhügels um das Denkmal verwendet.
Um die Wälle anzulegen, waren noch 1 Million m³ Erde zusätzlich erforderlich. So konnte die Stadt Leipzig etwa 10 Jahre lang Schutt und Müll am Denkmal ablagern, wo er zur Anhäufung der Wälle mit verwendet wurde.

Die 26 m hohen Hauptstützpfeiler des Denkmals (unten steht ein Mann am Pfeiler)
Erst im Jahre 1900 wurden Boden-untersuchungen vorgenommen, um die Beschaffenheit des Untergrun-des zu ermitteln. Dabei zeigte sich, daß eine 3-4 m mächtige Kiesschicht auf einem 6-7 m tiefen Lettengrund lagerte. Belastungsproben bestätigten, daß der Boden für den Bau bestens geeignet war.

Der 18. Oktober 1900 wurde zum Tag der zweiten Grundsteinlegung :
In die bereits 13 Tage vorher begonnene ersten Bauschicht des Denkmals von zwei Meter Mächtigkeit und einer Grundfläche von rund 80 x 67,5 m wurde der Grundstein eingebettet, der 1863 aus Anlaß der 50-Jahr-Feier der Völkerschlacht auf dem Gelände der Kämpe von 1813 gesetzt worden war.

An jedem Arbeitstag wurden für das Fundament an der Baustelle 90-100 m³ Zementstampfbeton hergestellt, der neben seiner Festigkeit und Beständigkeit auch die für dieses Denkmal mit seinen Bogen, Gewölben und Kuppeln notwendige Formgefügigkeit besitzt.

Die Arbeit an den Fundamenten dauerte bis zum Jahre 1905. 65 Pfeiler (davon 4 Haupt- und 61 Zwischen- oder Nebenpfeiler) tragen das Denkmal, das ein Gesamtgewicht von 300.000 t oder 6 Millionen Zentnern hat. Die vier Hauptpfeiler verjüngen sich von der Grundplatte aus von 19 auf 11 m Breite und tragen in 26 m Höhe eine Eisenbetondecke, auf der der kreisrunde Fußboden der Krypta von 11,6 m Durchmesser ruht.


Die Fundamente sind den Besuchern von jeher nicht zugänglich gewesen;
wer sie doch einmal sehen durfte, war beeindruckt von ihrer Mächtigkeit.



Der Bauzustand des Völkerschlachtdenkmals im Dezember 1907 Das eigentliche Denkmal ist in Granitporphyr ausgeführt, der in Beucha bei Leipzig gebrochen wurde. Das sehr feste Gestein eignete sich für einen solchen Bau besonders gut, da es einen geringen Verwitterungsgrad aufweist.

Etwa 26.500 Granitwerkstücke von insgesamt 12.500 m³ und 120.000 m³ Stampfbeton wurden zum Bau des Denkmals verwendet. Dabei mußten die gewaltigen Steinquader, die bis zu 200 Zentner bzw. 10 t wogen, von elektrisch betriebenen Aufzügen gehoben werden.

Das Holzgerüst, mit dem das Denkmalnach und nach umkleidet wurde, fand im Herbst 1911 in einer Höhe von 94 m über dem Straßenniveau in einem Zwölfeck seinen Abschluß. Berechnungen ergaben, daß die verwendete Holzmenge des Gerüsts, das allein 250.000 Mark kostete, eine Balkenlinie von rund 320 km Länge ergeben hätte.

Die Anlage des Wasserbeckens vor dem Denkmal war eine der letzten Arbeiten vor der Einweihung. In einer Größe von rund 162x79 m spiegelte die Wasserfläche das Denkmal in seiner vollen Gestalt wider. Bombentreffer im 2. Weltkrieg führten zur Beschädigung des Beckenbodens; das Wasser versickerte.

Im Jahre 1969/70 wurde das Wasserbecken durch die Firma Ingenieur-Erdbau Eberswalde instand gesetzt und neu gefüllt, so daß seit dem der reizvolle Anblick des sich spiegelnden Denkmals wieder die Besucher erfreut.
Die Wassertiefe beträgt einen Meter. Eine 20 cm dicke Lehmschicht und darüber eine 15 cm dicke Kiesschicht verhindern das Versickern und halten das Wasser sauber. Auch die Umfassungsmauer wurde repariert. Zum Schutz gegen Unterspülung der Lehmdichtung wurden am Beckenrand Betonplatten verlegt.

Die Wächterfiguren der Kuppel wurden 1911 vollendet.
Die Einweihungsfeier aus Anlaß des 100. Jahrestages der Völkerschlacht bei Leipzig am 18. Oktober 1913 gestaltete sich zu einem nationalistischen Rummel ohnegleichen.
Das deutsche Kaiserreich, das sich bei der Aufteilung der Welt in Machtsphären als zu kurz gekommen fühlte, nutzte die Erinnerung an die Schlacht dazu, die Franzosen nun als Erbfeinde Deutschlands zu bezeichnen und die Fürsten- und Bourgeoisieherrschaft zu lob-preisen.

Wochenlang war Leipzig mit den Vorbereitungen der Feiern beschäftigt. Die Geschäftsinhaber versprachen sich von dem zu erwartenden Fremdenstrom hohe Einnahmen.
Die Leipziger Zeitungen kannten kaum noch ein anderes Thema als die 100-Jahr-Feier und das Denkmal.

Nur die Sozialdemokraten warnten vor dem "Völkerschlachtrummel". Sie beriefen in Leipzig fünf Volksversammlungen mit dem Thema "Die geschichtlichen und politischen Ereignisse vor 100 Jahren" ein.
Im Volkshaus sprach z.B. Kurt Eisner zu den Leipziger Arbeitern.

Die Leipziger Volkszeitung schrieb am 9. Oktober 1913 über den Anblick, den die Stadt bot :
"... Auf dem Augustusplatz ... (sind) vier Säulenpaare errichtet, die ein ganz besonderer Schmuck sein sollen. Sie gleichen dem Prozentpatriotismus; markiert aus Gipsschalen, erwecken sie den Eindruck der Kraft, während sie innerlich hohl und leer sind."

Die Wächterfiguren der Kuppel im Oktober 2007 [Foto: www-itoja-de]

An der Einweihung des Denkmals nahmen der deutsche Kaiser, der sächsische König, aber auch alle Fürsten der deutschen Staaten und die Vertreter der Herrscher von Österreich, Rußland und Schweden teil. Die Tribünenplätze unmittelbar vor dem Denkmal kosteten 100 Mark.

Außer dem sächsischen König Friedrich August sprach bei der Denkmalsweihe nur der Erbauer Clemens Thieme. Seine Rede wurde von der Leipziger Volkszeitung am 20. Oktober 1913 folgendermaßen bewertet :

"Es muß schon beinahe als eine Tat angesprochen werden, daß Herr Thieme es vermieden hat, seine Rede in eine Fürstenverhimmelung ausklingen zu lassen. Sie hätte ja auch in einem schreienden Mißverhältnis zu dem jämmerlichen Verhalten der deutschen Fürsten vor hundert Jahren gestanden. Und bemerkenswert ist, daß Herr Thieme sogar eine Anrede an die versammelten Landesväter vermieden hat. Sollte vielleicht darauf die Tatsache zurückzuführen sein, daß der Kaiser und die übrigen Fürsten viel früher den Festplatz verlassen haben, als nach dem Programm in Aussicht genommen war ?
Herr Thieme redete das Auditorium mit 'Deutsche Brüder und Schwestern' an, und nur mit einer schwachen Andeutung gedachte er der Fürsten vor hundert Jahren."



Das Völkerschlachtdenkmal - Architektur und bildende Kunst


Auch wenn das Völkerschlachtdenkmal in mancherlei Hinsicht nicht unserem heutigen ästhetischen Empfinden entspricht, so kann sich doch kaum jemand dem Eindruck dieses Kolossalbaues entziehen. Es erinnert an ein bedeutendes historisches Ereignis, verherrlicht weder die Fürsten noch den Krieg und würdigt - in den Monumentalplastiken in einem freilich begrenzten Sinne, der der Auffassung Clemens Thiemes und der Erbauer des Denkmals entsprach - die Rolle der Volksmassen.

Leider bildete das Denkmal auch - so beim sogenannten Reichs-kriegertag 1925, einem Revanchistentreffen, und bei der 125-Jahr-Feier 1938 - den Hintergrund für nationalistische Kundgebungen, die dem Sinn des Denkmals und auch den Vorstellungen seines Schöpfers Clemens Thieme widersprachen.

Ein neuer Geist prägte die Veranstaltungen, die das Völkerschlacht-denkmal zu Zeiten der DDR erlebte : die 140-Jahr-Feier und die 150-Jahr-Feier der Völkerschlacht (1953 und 1963) sowie die Deutschen Turn- und Sportfeste der DDR, die in Leipzig ausgetragen wurden.

So berichtete die Leipziger Volkszeitung vom 20. Oktober 1953 über die Veranstaltungen zur 140-Jahr-Feier :

"Fanfarenrufe tönten durch den grauen Nebelmorgen des 18. Oktober und begrüßten die Leipziger zum 140. Jahrestag der großen Entschei-dungsschlacht gegen den Tyrannen Napoleon. ... Die Züge aus allen Stadtbezirken, die sich vor dem Denkmalsgelände zu einem riesigen Demonstrationszug vereinigten, boten einen bunten Anblick.

... Höhepunkt des eindruckvollen Zuges ... waren aber zweifellos die Gruppen von Leipziger Jugendlichen, die in den historischen Kostümen aus der Zeit der Befreiungskriege mitzogen. Da sah man die farbenfreudigen Uniformen der preußischen Jäger und Landwehrsoldaten, der Schillschen Offiziere, russischen Kosaken und Lützowschen Freischaren, dazwischen Leipziger Bürger und Bürgerinnen, Handwerker und Tagelöhner in den Trachten vom Anfang des vorigen Jahrhunderts.
Es war ein imposantes Bild, als dieses 'Fußvolk' und die 'Reiterei' - auch eine alte Kanone war dabei - in das weite Oval des Völkerschlachtdenkmals einzogen. ..."

Barbarossakopf am Denkmalsaufgang
Bereits im Vorhof beeindrucken die kolossalen Granitporphyrblöcke des massiven Unterbaues.

Die rund 60 m breite Fläche zwischen den beiden als Treppe ausgebauten, in Barbarossaköpfen endenden seitlichen Stützmauern schmückt ein 19 m hohes Relief der Schlacht bei Leipzig :

Inmitten zweier Paare Kriegsfackeln schwingender Furien und eines zertrümmerten Heerhaufens von Roß und Reitern steht als Symbol der der Fremdherrschaft trotzenden und siegreichen Volkserhebung der Erzengel Michael mit flammenden Schwert.
Der Erzengel Michael [Foto: www-itoja-de, 10-2007]
Majestätischen Flügelschlags erheben sich zwei riesige, 7 m spannende Adler vom Schlachtfeld, Freiheit und neues Leben verheißend.

Die 1,80 m hohen Buchstaben der Inschrift über der 11 m großen Michaelsfigur [Anmerkung: siehe oben im Foto mit Lupe] machen neben einer Reihe kleinerer ornamentaler Gestal-tungselemente auf die im Jugendstil verwandte Handschrift seines Künstlers Christian Behrens aufmerksam.







Im Sinne von Ernst Moritz Arndts sollte die architektonische Grundidee des Leipziger Völker-schlachtdenkmals von Anfang an drei Funktionen in sich vereinen :

Es sollte ein Ehrenmal für die 1813 gefallenen Helden, ein Ruhmesmal für die damals gemeinsam kämpfenden Völker und einMahnmal für kommende Geschlechter sein. Diesem Dreiklang entsprechen in der Ausführung des Bauwerks die Krypte, die Ruhmeshalle und die 12 mächtigen Freiheitswächter außerhalb des Kuppelbaus.


Die Krypta als der unterste dem Besucher zugängliche Raum ist die Grabstätte der gefallenen Freiheitskämpfer. Den im Durchmesser 11,60 m betragenden kreisrunden Fußboden der inneren Halle bilden geschliffene grüne und schwarze Granitplatten aus dem Fichtelgebirge; sie liegen auf einer Sandunterlage über der horizontalen Eisenbetondecke, die das darunterliegende Pfeilergewölbe abschließt.

Ein Kranz ehrt die in deutsch-russischer Waffenbrüderschaft Gefallenen von 1813 und symbolisch damit auch die während des 2. Weltkrieges gefallenen Helden der Sowjetarmee.

An den 8 Pfeilern von 5 m Höhe, zwischen denen jeweils 5 Stufen vom unteren Wendelgang hinabführen, erheben sich gewaltige Schicksalsmasken sterbender Krieger :
brechende und gebrochene Augen versinnbildlichen den Opfertod fürs Vaterland.

Vor jeder dieser Masken stehen gesenkten Hauptes zwei 3,60 m große Krieger, gestützt auf ihren Schild, und halten Totenwache für ihre gefallenen Kameraden.


Masken sterbender Krieger in der Krypta. Darüber in der Ruhmeshalle eines von vier Bildwerken - das 'Selbstvertrauen' Die Ruhmeshalle, der Hauptraum des Denk-mals, der sich rund 7 m über der Krypta wölbt und sich etwa 30 m über der Straßenhöhe befindet, liegt in leicht gedämpftem Licht, das durch die vier Rundbogenfenster hereinflutet.

Die rund 13,5 m breiten Rundbogen werden durch je sieben kleine und zwei große Steinrippen untergliedert, die an den Innenseiten mit je 24 Bildwerken geschmückt sind - die gramgebeugten, vom Leid gezeichneten Hinterbliebenen der Gefallenen darstellend. Ein Teil davon und die farbigen Glasfenster fielen noch in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges US-amerikanischem Artilleriebeschuß zum Opfer; langwierige Restaurierungsarbeiten sind erforderlich.

Das weitaus größte Interesse in der Ruhmeshalle, wenn nicht am gesamten Denkmal überhaupt, finden immer wieder die vier gewaltigen Bildwerke. Die jeweils in einer Ecke sitzenden menschlichen Kolossal-figuren verkörpern die hervorragendsten Wesenszüge der siegreichen Völker, mit denen sie ihre Freiheit erringen konnten :

- In überlegener und eindeutig stolzen Gebärde verkündet der eine seine Entschlossenheit, der Übermacht
      der fremden Herrscher zu trotzen und sich ihrer zu wehren
           = Sinnbild der Tapferkeit;
- ruhigen Mutes und der eigenen Kraft vertrauend, gewährt der andere dem Jüngeren Schutz und Beistand
           = Symbol des Selbstvertrauens;
- abgewandten Blickes, sich seines Edelmutes fast ein wenig schämend, ist der dritte zu jedem Opfer bereit
           = Symbol der Opferfreudigkeit;
- in ruhiger und stolzer Haltung nährt eine Mutter ihre Zwillinge, von ihren starken Armen liebevoll umfaßt
           = Sinnbild der Volkskraft.

Erst diese Monumentalplastiken, die wie alle anderen in der Krypta oder am Kuppelbau Schöpfungen Franz Metzners sind (nur das Michaelrelief stammt von Christian Behrens), ließen die wuchtige Architektur des Denkmals zu einem wohlgegliederten Gesamtkunstwerk werden, so wie wir es heute kennen.

Die rund 9,5 m hohen Skulpturen der Ruhmeshalle, deren jede etwa 400 t wiegt, bestehen aus je 100 bis 116 Quadern, die zunächst einzeln versetzt, dann einbetoniert und vom Steinbildhauer an Ort und Stelle bearbeitet worden. Die gewaltigen Ausmaße der Figuren bzw. die Größenverhältnisse der Details mögen einige Zahlen belegen :

So ist z.B. der Kopf des Opferfreudigen 1,65 m hoch und 0,94 m breit, allein sein Ohr ist 40 cm, seine Nase 35 cm lang. Seine Schulterbreite beträgt 4 m, die Oberarmstärke 1,1 m, die des Unterarmes 0,92 m; sein Mittelfinger ist 1,1 m lang, der Fuß 2,25 m und die große Zehe 0,70 m.
Der Jüngling im Schoße des Älteren mißt allein 7 m, die Zwillinge sind je 4,7 m groß.

Im hinteren östlichen Hauptpfeiler, also hinter der Figur der Opferfreudigkeit, war bis in die zwanziger Jahre (des 19. Jahrhundert) ein elektrischer Personenaufzug eingebaut, der vom Kryptafußboden über eine Zwischenhaltestelle am oberen inneren Rundgang bei einer Höhe von rund 50 m über dem Straßenniveau bis zum Umgang am Hauptgesims führte;
die Förderhöhe des 11 Personen (einschließlich des Führers) umfassenden Aufzuges betrug 34 m.


Die Reiterfiguren in der Kuppel während der Bauphase. Vom Wandelgang der Ruhmes-halle aufwärtsblickend, fesseln die Reiterscharen die in endlosen Zügen die Straßen der mächtigen Kuppelhalle dahinzuziehen scheinen.  Die 324 (!) plastisch herausgearbeitete Reiterfiguren in nahezu natürlicher Größe sind auf 11 übereinanderliegenden Stufen jeweils in wechselnden Richtungen angeordnet - die Heimkehr der siegreichen Krieger sym-bolisierend.

Dieser innere Schmuck der Kuppel, in die das Licht durch zwölf zwischen den Freiheitswächtern angeordnete 1 m breite und 3,6 m hohe Fenster dringt, wurde zunächst in negativen Gipsformen mit Eisenversteifung der Gewölbeform angepaßt und in geschlossenem Ring aufgestellt, so daß die Betonarbeiten gleich in den richtigen Maßen ausgeführt werden konnten.

Auch in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts fanden in den Sommer-monaten an jedem zweiten Sonntag in der Ruhmeshalle des Denkmals Chorkonzerte statt. Der Denkmalschor unter der damaligen Leitung von Olaf Didam nutzt die ungewöhnliche Akustik, die die mächtige Kuppelhalle hervor-bringt, geschickt aus, indem er die feierlich-getragenen Weisen dem starken Echo und langen Nachhall anpaßt und mögliche klangliche Überlagerungen vermeidet.

Den äußeren Schmuck des Kuppelbaus bilden die 12 Wächterfiguren. Jede von ihnen ist fast 13 m hoch und besteht aus 47 Gesteinsblöcken mit einem Gesamt-gewicht von 4.000 Zentnern bzw. 200 t. Im Unterschied zu den Kolossalfiguren in der Ruhmeshalle wurden diese hier gleich im Steinbruch fertiggestellt, so daß sie am Denkmal nur noch geringfügig zusammengearbeitet werden mußten.


Die oberste Aussichtsplattform des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig, auf der man bei ausreichendem Wetter den Harz und das Erzgebirge erkennen kann. Über der großen Kuppel, deren unterer Durchmes-ser 22,5 m und deren obere lichte Öffnung 4,4 m beträgt, liegen noch zwei kleinere mit 8,4 m und 7,6 m Durchmesser.
Die obere der beiden, die sogenannte Stifter-kuppel, erhält das Licht aus der freien Öffnung von 2 m Durchmesser, die in der Gipfelstein ge-nannten Abschlußplatte von einem dachförmigen Oberlichtfenster überdeckt ist.
Der Gipfelstein besteht aus 120 in fünf übwereinanderliegenden Schichten zusammengefügten Quadern, deren größte 10 t bzw. 200 Zentner wiegen. Die oberen Kanten des rund 3,5 m hohen Quaders liegen in 91 m Höhe über dem Straßenniveau und laufen jeweils in einer Länge von 10,6 m die Brüstung entlang, die die 1,3 m tiefer liegende Aussichtsplattform umgibt.
Auf der 8,2 m im Quadrat messenden Fläche haben (nach Abzug des umgitterten Oberlichtfensters) rund 150 Personen Platz, wenn man drei Personen je Quadratmeter annimmt.

Zu dieser Aussichtsplattform führen vom Boden der Krypta aus zwei 364 Stufen zählende Wendeltreppen, von denen die eine dem Aufstieg, die andere dem Abstieg vorbehalten ist.
Zusammen mit den Freitreppen muß der Besu-cher von der Straße aus 500 Stufen bis zur obersten Aussichtsplattform des Denkmals er-steigen.

Der untere Teil der als Spindel gearbeiteten, auf einer Seite in Beton eingelagerten und auf der an-deren freischwingenden Treppen führen durch die beiden vorderen Hauptpfeiler senkrecht aufwärts bis zum Mittelteil des Bauwerks, wo der Haupt-sims mir der 1 m hohen Inschrift "18. Oktober 1813" geschmückt ist. Von hier aus winden sie sich teils durch die außen stehenden Pfeiler und Kriegergestalten (Wade und Knie), teils durch die oberen Kuppeln, so daß sich die Laufbreite der Stufen von 1,0 m auf 0,6 m verringert.
Doch die Mühe des Aufstiegs lohnt der Rundblick über die Stadt und das sich kilometerweit erstreckende ehemalige Schlachtfeld südlich des Denkmals. Bei sehr guter Sicht sind am Horizont im Nordwesten der Harz und im Süden das Erzgebirge zu erkennen.

[ Ende der Zitate ]

Aus eigenem Erleben fügt der Verfasser des vorstehenden Artikels hinzu :

Seit 1962 habe ich das Völkerschlachtdenkmal mehrfach "erstiegen". Obwohl bereits zur Gewohnheit geworden, ist jeder erneute Besuch ein ergreifendes besonderes Erlebnis und auch deshalb empfehlenswert.
Kurios ist allerdings die minutenabhängige automatische Ampelregelung an beiden Enden des obersten Wendeltreppenabschnitts. Ohne diese wäre der stets im Kreis zu besteigende schmale Treppenaufgang nicht zu bewältigen. Beim Aufstieg drängen von hinten die Kinder und vorn bremsen die Alten - kämen nun noch Absteigende entgegen, würde die "Masse" im Wendelgang zum Stillstand kommen. Ein aneinander vorbei in Wade und Knie der steinernen Wächterfigur ist - außer für zwei hungernde Models - nicht möglich.
Selbst ein kurzes Verschnaufen, weil das Herz bereits bis zum Hals schlägt, verbietet sich, da man ja von hinten drängt und die Zeit bis zur Umschaltung der oberen Ampel auf GRÜN unerbittlich abläuft. Wer seine körperlichen Fähigkeiten überschätzt hat, darf trotzdem auf eine Pause hoffen - an einer einzigen schmalen Ausbuchtung des Ganges liegt eine Sitzplatte für zwei (nicht fette) Personen (die dann hoffentlich nicht schon besetzt ist).

Daß das Völkerschlachtdenkmal ein Sieges- und Ruhmesmal ist, kann akzeptiert aber kaum nachempfunden werden, da die Ereignisse weit weit entfernt zurück liegen. Aber an Hand der Fakten, 120.000 Gefallene, Verkrüppelte, Verschleppte innerhalb von drei (bzw. vier) Kampftagen (es kämpften auch Sachsen gegen Sachsen), und dem unbeschreibbaren Leid in der Bevölkerung durch Tötung, Verwüstung, Hunger und Krankheit, an Hand dieser Fakten ist das Denkmal als Mahnmal erspürbar. Als eine Mahnung an Völker, die glauben, mit ihrer Staatsarmee den Krieg in ein anderes Land bringen zu können und dennoch unbestraft zu bleiben. Als ein Aufruf an die Völker : "Laßt nie wieder einen Krieg von euerem Boden ausgehen !".
Eine Lektion, die das Volk an Elbe und Rhein nach 1945 gelernt hat.
Eine Lektion, die das Volk an Mississippi und Missouri nach Vietnam wohl immer noch nicht gelernt hat.

Die Wertschätzung eines Landes unter den Völkern unseres Planeten kann erworben werden und verloren gehen.


Quellennachweis :
- "Brockhaus Konversationslexikon" F.A. Brockhaus - Leipzig, Berlin, Wien, 14.Aufl., 1894-1896
- freie Enzyklopädie "www_wikipedia_de"
- "Völkerschlachtdenkmal Leipzig" Tourist Verlag Berlin, Leipzig 1977
www-itoja-de, 11-2007